Folgen der amerikanischen Steuerreform für die Deutsche Bank

US Tax Cuts and Job Act

Wie bekannt, hat anfangs Woche die US-Regierung die Steuersätze für Unternehmungsgewinne von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Doch das Steuerpaket sah auch vor, dass aufgelaufene Steuergutschriften früherer Verluste an Wert verlieren. Die  meisten in den USA tätigen Banken – vor allem  ausländische Töchter – liessen sich wegen des bisherigen hohen US-Steuersatzes in den USA, grosse Teile ihrer Gewinne durch Tochtergesellschaften in Steueroasen (vor der Haustüre) abschöpfen. Dieser Praxis wird einen Riegel gesetzt, indem neue Steuern auf Dienstleistungen und Zinszahlungen, der klassischen Art der Gewinn-Transferierung, erhoben wird. Ob das boomende Emissionsgeschäft aufgrund der hohen Kapitalbedürfnisse neuer Internetriesen vor allem aus Silikon Valley dann wirklich immer noch die grosse Goldgrube bleibt, sei dahin gestellt. Denn gerade in solch lukrativen Geschäften griff die “Steueroptimierung“. Es ist fraglich, ob künftige Nettogewinne solcher Geschäfte höher sein werden als die 14 Prozent Steuerermässigung der Nettoerträge. Anderseits dürfte das grössere verfügbare Einkommen der Reichen in Anlagen fliessen, was das rentable Anlagegeschäft grosser Vermögensverwalter, wie der Deutschen Bank zu gute kommen wird.

US-Steuerreform – Deutsche Bank outet sich noch nicht

Die Deutsche Bank betont in ihrer Pressekonferenz diese Woche einzig den positiven Effekt des Steuergesetzes auf den Aktienmarkt. DB rechnet mit einem Unternehmensgewinnwachstum von 11 Prozent in 2018 in den USA ohne konkret auf die einzelnen Geschäftstätigkeiten einzugehen. Dabei wäre es für Aktionäre und Analysten wichtig, reinen Wein einzuschenken um auf eine faire Bewertung und das Kurspotenzial der Aktie festzustellen. Leider informiert der Geschäftsbericht des Konzern für das 3. Quartal 2017 nicht im Detail über Grösse und Wachstum der Geschäftssegmente in den USA. Einerseits konsolidiert das Kreditgeschäft der DB in den USA. Anderseits ist sie im boomenden Emissionsgeschäft stark vertreten. Die Deutsche Bank dürfte immer noch erhebliche Steuergutschriften aufgrund des Housing and Credit Bubbles in 2008 besitzen. Nach Analyse der mutmasslichen US-Geschäfte dürfte die neue Steuergesetzgebung die DB schätzungsweise Abschreibungen im Betrage von EUR 3,0 bis EUR 4,0 Mrd. tätigen müssen. Eine Indikation mutmasslicher Abschreibungen dürften Schweizer Grossbanken geben, welche in den USA in ähnlichen Geschäftssegmenten wie die DB in den USA aktiv sind, jedoch “kleinere Brötchen” backen.

US-Steuerreform beutelt Schweizer Grossbanken

Die Schweizer Sonntagspresse meldet heute, dass die grösste Schweizer Bank, die UBS, im vierten Quartal 2017 Abschreibungen von CHF 2,8 Mrd. (EUR 2,35 Mrd.) kosten wird. Bereits Ende Woche sprach die Credit Suisse in einer ausführlichen Pressemeldung von Abschreibungen im Betrage von CHF 2,3 Mrd. (EUR 1,95 Mrd.) im letzten Quartal 2017. Die Bank betont, jedoch den positiven Effekt steuerlicher Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft und somit auch auf die kommende Geschäftstätigkeit der Schweizer Grossbank.

Text: Radovan Milanovic

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