Flucht in CHF zeigt Spuren

Geldfüsse in “sichere” Häfen bestätigen den Trend

Am Devisenmarkt verliess der CHF das Kursband von 1.0700 /1.090 des CHF am 24. Juli. Offensichtlich – trotz Beteuerungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – scheint die SNB bei diesen Kursen eine Untergrenze der Schweizer Währung zu sehen. Wahrscheinlich unter dem Druck der Exortindustrie. Gegen Ende Juli war die Welt in Ordnung: Die G20 zeigen “grosse” Einigung in ihren Zielen, Beruhigung in der US-Politik, Frankreichs neuer Präsident zeigt Führung und will die Wirtschaft stärken, fast ausnahmslos positive Macrodaten… Das dem nicht so ist, realisierten die Händler aufgrund steigender Volatilitäten und grossen Geldverschiebungen. Alleine schon das Hochjubeln von Finanzaktien hätte Anlass zur Sorge geben sollen. Doch in Zeiten von Nullprozent Politik vergessen Investoren ihre Risikoaversion, wenn es um die Rendite ihrer Anlagen geht.  Oder kam die Rieseneuphorie vom Handel selbst? Um sich hohe Kurse zum Abgeben ihrer Anlagen zu sichern?

Schweizer Nationalbank mit CHF 714,3 Mrd. Devisenreserven

Nach dem “Einbrechen” des CHF um ca 4,5 Prozent werden die Karten neu gemischt. Der EUR / CHF dürfte zuerst bis ca. 1.1000 / 1.1200 anziehen, um zu einer mittelfristigen Kursfindung zu kommen, deren (neue) Basis nicht abgesehen werden kann. Denn die kurzfristige Schwäche des EUR / CHF dürfte die SNB zum Anlass nehmen einen weiteren Rückgang des EUR zu stoppen, um der Schweizerischen Exportindustrie eine bessere Ausganglage zu bieten. Genügend Pulver zur Erreichung und Stabilisierung der Währung ist vorhanden. Soeben hat nämlich die SNB ihre Devisenreserven per Ende Juli 2017 von 714,3 Mrd. CHF (Ende Juni  693,7 Mrd. CHF) bekannt gegeben. Es kann davon ausgegangen werden, dass rund zwei Drittel davon EUR sein dürften.

Märkte reagieren vorausschauend

Geldflüsse in sichere Häfen machen auch vor Aktien- und Obligationenmärkten nicht halt. Ein erster Vorgeschmack geben die heutigen Aktienmärkte. Die grössten Verlierer sind entsprechend die Finanzpapiere.

EUR / CHF (Euro / Schweizer Franken) Währung

EUR/CHF (Euro / Schweizer Franken) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

Fundamentale Stärke des CHF

Technische Indikatoren spechen zu Gunsten des CHF

Die Instrumente der Charttechniker können sowohl auf auf kurzfristige, als auch auf langfristige Opportunitäten hinweisen. Mit Bezug auf aktuelle Entwicklungen haben wir hier rein kurzfristige wie der RSI (Relativ Strength Index), der MACD (Moving Average Convergence / Divergence) und sehr wichtig, der Money Flow Index analyisiert. Bei der Interpretation von Charts ist es wichtig, mehrere voneinander “unabhängige” Indikatoren zu untersuchen, um zu einer verlässlichen Aussage zu gelangen.

Der RSI EUR/CHF durchbrach am 02. August 2017 beim Höchstkurs der Devisen im Verlauf der letzten 12 Monate bei 1,1501 geradezu die Schallmauer; ein Warnzeichen für Haussiers. Auch der MACD, ein wichtiger Indikator für künftige Kurs-Entwicklungen einer Investition zeigte grünes Licht für eine Trendwende. Dieser Indikator zeigt das Zusammen- / Auseinanderlaufen von gleitenden Durchschnitten (= selbst technische Indikatoren). Einer der wichtigsten Hinweise, welche Händler in ihrer Wichtigkeit zu oberst sehen: Der Money Flow Index. Ob Aktien, Devisen, Optionen…, sieht der Preis einer Investition keine Obergrenze, ist sie oft ein Spielball der Spekulanten. Diese handeln immer die selben Papiere und treiben den Preis nach oben. Eher früher oder später folgt der Absturz. Aus diesen Gründen ist es im Falle von Devisen wichtig, zu verfolgen, ob hinter den Kursbewegungen echte Geldflüsse stecken. Bei Aktien wiederum sollte geprüft werden, ob Kursveränderungen die Folge von höheren Handelsvolumen und nicht etwa ein Hin- und Herschieben gleicher Aktien zwischen Händlern stecken. In den vergangenen Tage konnten wir beobachten, dass die Geldflüsse erst zögerlich, dann frappant aus den klassischen Hartwährungen wie dem USD und dem EUR einerseits in CHF und ins Gold geflossen sind.

Text: Radovan Milanovic

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