finanzmag.com, Wochenrückblick KW 36

Digitalsteuer wird Internetdienstleistungen verteuern

Österreichs Finanzminister gab bekannt, dass sich die EU-Finanzminister in Wien geeinigt hätten, digitale Unternehmen besteuern wollen. Im weitere Verlauf des Samstags stellte es sich jedoch heraus, dass von einer Einigung nach einer Digitalsteuer keine Rede sein kann. Doch die Idee einer Besteuerung von Dienstleistungen der digitalen Welt ist schon lange auf dem Tisch. Fakt ist, dass von einer “gemeinsamen Linie” bis zur Steuergesetzgebung und schliesslich bis zur Inkraftsetzung der neuen Steuer noch viel Wasser die Donau runter fliessen wird.

Der Vorschlag einer Digitalsteuer sieht vor, dass während einer Übergangsphase Online-Werbung und -umsätze, Unternehmen wie Airbnb, Amazon, Google, Uber,.. sowie der Datenhandel einer Umsatzsteuer von 3 Prozent unterliegen sollen. Die Aussichten auf Besteuerung der Internetgeschäfte in der EU dürfte die Stimmung an der Nasdaq und den Tech-Werten kaum verbessern (Wochenperformances: AMZN -3,0 Prozent, AAPL -2,8 Prozent, FB -7,2 Prozent, GOOGL -4,4 Prozent, MSFT  3,7 Prozent, NFLX -5,2). Der zu schnelle und starke Aderlass dieser Papiere dürfte trotzdem zumindest kurzfristig zu einer technischen Erholung führen.

Online-Handel: Digitalsteuer wird Internetdienstleistungen

Amazon’s Grossauftrag für Mercedes, was steckt dahinter?

Anlässlich der Eröffnung der Produktionsstätte in North Charleston (South Carolina) platzierte der Online-Händler Amazon bei Mercedes einen Kauforder von 20.000 Mercedes-Benz Sprintern. Mit diesem Auftrag wurde Amazon zum grössten Mercedes-Kunden. Der Umfang der Transaktion ist nicht bekannt. Mercedes Sprinter kosten in Deutschland zwischen EUR 42.500 und EUR 61.100 (ohne Zusatzausrüstung). Bei Annahme eines Durchschnittspreises von EUR 51.800 pro Lieferwagen und eines Flottenrabattes von 30 bis 40 Prozent käme das Auftragsvolumen bei zwischen EUR 725,2 und EUR 621,6 Mio. zu liegen.

AMZN benötigt die Lieferwagen für Amazon Logistics. Die Logistik-Tochter wird künftig den Versand von Produkten der Online Plattform vorerst in den USA in die eigene Hand nehmen. UPS (United Parcel Services, 20 Prozent Marktanteil in den USA), FedEX (FDX, 14 Prozent) und DHL (10 Prozent) werden somit in Kürze Amazon als Kunden verlieren.

Bereits jetzt besitzt Amazon Logistics über 100 eigene Lagerhäuser, LKWs und Flugzeuge. Der Online Händler plant, mit selbständigen Fahrern zusammen zu arbeiten, welche den Paketdienst mit Mercedes-Lieferwagen übernehmen. Bewerber mit einem Minimum-Investment von USD 10.000 können in den USA Paketdienstleister von Amazon werden. Franchise-Nehmer haben auf diese Weise die Möglichkeit, eine eigene Flotte mit eigenen, auf selbständiger Basis arbeitenden Fahrern aufbauen. Obwohl sie nicht Angestellte von Amazon sein werden, sollen die Kuriere in Amazon-Uniformen mit Amazon-Fahrzeugen ihre Tätigkeiten ausüben.

Edelmetalle auf der Verliererseite

Gold ist out. Doch wie lange noch? Seit Jahresbeginn verlor das Gold -9,2, das Silber gar -17,5 Prozent. Eine Unze gelbes Metall kostet nur noch USD 1.197,00. Hedge-Funds setzen auf einen weiteren Kursverfalls des Metalls. Mit dem Shorten können sie mit der dividenden- und zinsertragslosen Anlage erhebliche Renditen erzielen. So meldete die US-Rohstoffterminbörse CFTC rekordhohe Shortpositionen auf Gold. Da sämtliche Positionen vor oder spätestens bei Verfall wieder glattgestellt werden müssen, führt die Schliessung der Kontrakte zu einem Nachfrageschub. Gerade der flächendeckende Pessimismus durch  “Experten” sollte vorsichtig aufgenommen werden. Fundamental gesehen, fehlen schlichtweg Gründe für ein Anziehen des Goldpreises. Doch technisch betrachtet ist das Metall stark überverkauft. Eine baldige, technische Mini-Erholung dürfte im gegebenen Umfeld nicht von Bestand sein.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: geralt

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