finanzmag.com, Wochenrückblick KW 34

In der vergangenen Woche standen die Börsen vor allem unter dem Einfluss der US-Politik, künftiger Zinserhöhungen durch das Fed, weiterer Volatilitäten und Abschwächungen der türkischen Lira, der indischen Rupie und des brasilianischen Real sowie revidierter Wachstumserwartungen der Industrieländer.

  • Das Beispiel von Coca Cola (KO) zeigt auf, dass sich blindes Vertrauen in diesen klassischen Blue Chip nicht mehr auszahlt: Seit rund 10 Jahren stagnieren sowohl Umsatzwachstum, als auch der operative Gewinn, wobei der Gewinn pro Aktie stetig fällt. Einzig die langfristigen Verbindlichkeiten haben innerhalb der vergangenen 10 Jahre zugenommen, nämlich von USD 19,1 auf USD 28,1 Mrd.
  • Tesla (TSLA) – Privatisierung – Finanzierung gesichert – Saudi Arabia’s Public Investment Fund (PIF),… alles Makulatur. Statt dessen plant der PIF USD 1,0 Mrd. in Lucid Motors Inc. (LCDX, USD 0,75, Wochenperformance +250 Prozent) in einen Konkurrenten von Tesla mit strategischen Partnerschaften mit Samsung SDI und LG Chemicals zu investieren oder LCDX gar zu übernehmen. LCDX produziert noch keine eFahrzeuge, will jedoch in 2019 / 2020 mit eLuxus-Autos mit Reichweiten von 650 km auf den Markt kommen. Wie irrational der Markt agiert, zeigt die Tatsache, dass Tesla Aktien trotz really bad news im Wochenvergleich +5,7 Prozent auf USD 322,82 zulegen konnten
  • Deutsche Bank und Commerzbank konnten sich nicht erholen. Kostensenkungsprogramme wegen fortschreitender Digitalisierung und preisbrechender Online-Konkurrenz im Bankgewerbe führen zu weiteren Personalkürzungen. Mit welch harten Bandagen um Bankkunden gerungen wird, zeigt das Beispiel der US Bank JPMorgan Chase: Das Institut offeriert seinen Kunden 100 kostenlose Börsentransaktionen und solchen Kunden, welche ein gewisses Bankguthaben halten, eine unbeschränkte Anzahl Börsentransaktionen ohne Gebühren
  • Bayer: Die grosse Unbekannte, nämlich in welchem Umfang das Unternehmen mittels weiterer Klagen durch Betroffene von Monsanto’s Glyphosat in die Pflicht genommen wird, hindert Investoren, in das Papier zu investieren. Bis Freitag sind bereits 8.000 Klagen eingereicht worden. Bis zur Klärung des Schadenrisikos dürfte Bayer trotz der hohen Dividendenrendite von 3,77 Prozent den DAX 30 underperformen (Wochenperformance +1,1 Prozent auf EUR 82,11, DAX + 1,8 Prozent auf 12.405,60)
  • Im uneinheitlichen und zumeist richtungslosen Handel zeigte sich SAP als grosse Ausnahme (Wochenperformance +3,9 Prozent auf EUR 103,84). Einen Monat nach Veröffentlichung der Q2 Resultate ist der Titel immer noch stark gesucht. Auf dem aktuellen Niveau dürfte SAP fair bewertet sein. Chartisten sehen die Möglichkeit eines weiteren Ausbruch von SAP bis zum nächsten Wiederstand bei EUR 105,28. Nach einem Überschreiten dieses Pivots könnte gar EUR 110,52 in Angriff genommen werden.

Text: Radovan Milanovic

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