finanzmag.com, Wochenrückblick KW 29

(Zyklische) Autowerte unter Druck

Unter den EU-Börsen steht vor allem der deutsche Aktienmarkt unter Druck, allen voran die deutschen Autobauer (BMW -11,1, Daimler -10,6 und VW -15,0 Prozent in den vergangenen drei Monaten, verglichen mit dem DAX mit -0,1 Prozent). Die Anleger amerikanischer Autowerte hingegen scheinen erst seit den vergangenen Tagen zu realisieren, dass die US-Autobauer zwischen 25 und 30 Prozent ihrer Bauteile für die Produktion importieren und somit ebenfalls von den Handelssanktionen betroffen sein werden. Sollte die Lieferkette der (nun teureren) Bauteile unterbrochen oder nur teilweise erfüllt werden, gehören auch Autohersteller wie Ford Motor und General Motors zu den Verlierern. Im vergangenen Quartal performten die Aktien -0,8 bzw. +5,6 Prozent.

Nur wenige positive Meldungen

  • Folgt dem Brexit der Italexit? Die Staatsverschuldung steigt im Verhältnis zum BIP weiter an. Italiens Rezept, mittels Erhöhung des Defizits zu mehr Wachstum zu kommen, funktioniert nicht. Die neue EU-kritische Regierung kommt somit noch mehr durch Brüssel unter Druck, endlich Ausgabendisziplin zu zeigen. Und dies führt zu noch mehr EU- und Euro Skepsis. Italiens Wirtschaft ist die drittgrösste des europäischen Kontinents. Wenn sie hustet, hat dies Auswirkungen auf ganz Europa
  • Nach Verhängung der Exportzölle durch die USA sorgt sich China um seine Wirtschaft. Im zweiten Quartal stieg das Bruttosozialprodukt Chinas “nur noch” um +6,7 Prozent (yoy) nach drei Quartalen mit je +6,8 Prozent (yoy). Die Regierung versucht, einen zusätzlichen Rückgang des Wachstums um bis zu 0,5 Prozent als Folge der US-Handelshürden mit Stimulusprogrammen sowie über den Binnenkonsum aufzufangen. In der Tat steigen Chinas Konsumausgaben, sind doch Chinas Löhne und Gehälter in den vergangenen 12 Monaten um 8,0 Prozent gestiegen. Die chinesischen Börsen dürften nach dem Kursrutsch seit Ende Januar (Shanghai Composite -21,9 Prozent) konsolidieren
  • Wirtschaft arrangiert sich mit hohem Ölpreis. Die widersprüchlichen Aussagen Saudi Arabiens über die Ausweitung des Öl-Angebots haben kaum mehr Einfluss mehr auf die die erwartete künftige Preisentwicklung. Von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt, tritt auf der Angebotsseite ein neuer Global Players auf und wird in Zukunft den Markt und mit ihm die Preisfindung massgeblich beeinflussen

USA – mit Fracking zum grössten Öl-Produzenten

In 2018 sollen in den USA im Durchschnitt bereits 10,8 Mio. Barrel/Tag gefördert werden, was eine Steigerung von 1,8 Mio. Fass/Tag (+ 20 Prozent zum Vorjahr) bedeutet. Diese Förderung würde höher zu liegen kommen als die Produktion von Saudi Arabien und Russland mit je 10 Mio. Fass/Tag. Die grösste US-Produktionszunahme erfolgt über das Fracking. Da die Erdölgewinnung über das Fracking zwischen USD 60 und USD 70/Fass, also ungefähr dem aktuellen Marktpreis ausmacht, ist ein tieferer Ölpreis nicht im Sinne der Francking-Industrie

Iran

Im Zuge der Sanktionen dürfte die aktuelle Ölproduktion Irans on rund 2,060 Mio. Fass/Tag auf rund 700.000 Barrel/Tag einbrechen und für den Weltmarkt keine grosse Rolle mehr spielen.

Text: Radovan Milanovic

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