finanzmag.com, Wochenrückblick KW 27

USA: Gleichbleibende / fallende Löhne – sinkende Produktivität der Wirtschaft – Eurozone im Visier

Trotz Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel in Industrie und Gewerbe in den USA bei einer um 0,1 Prozent auf 0,4 Prozent gestiegenen Sockelarbeitslosigkeit und 600.000 neu geschaffenen Jobs im Juni ( +2 Mio. neue Stellen in den vergangenen 12 Monaten), stieg das Lohnniveau nur um +2,7 Prozent, dem approximativen Inflationswert dieser Periode auf durchschnittlich USD 26,98 (brutto) pro Stunde. In früheren Vergleichsperioden mit ähnlich hoher Arbeitslosigkeit zogen die Löhne zwischen 3 und 4 Prozent an. Das Auslaufen der wirtschaftlichen Boomphase in den USA geht sowohl einher mit einer tieferer Produktivität der Arbeitnehmer als auch mit der Schaffung neuer Stellen vor allem in Niedriglohnsektoren. Das US Bureau of Labor Statistics weist die Produktivitätssteigerung im Industriebereich im ersten Quartal 2018, im Vergleich zur Vorjahresperiode, mit nur noch +0,3 Prozent aus. In der Branche “nicht dauerhafte Güter”, wie Lebensmittel, pharmazeutische Produkte, Gastronomie,… soll sie gar um -0,5 Prozent zurück gegangen sein. In diesem Wirtschaftszweig gaben die Stundenlöhne in den vergangenen 12 Monaten gar um -2,3 Prozent nach.

Copyright: US Bureau of Labour Statistics, through FRED

Diverse Anzeichen deuten auf ein Überschwappen dieser Entwicklung auf Europa hin, denn Eurostat weist für Mai 2018 eine unverändert hohe EU-Arbeitslosigkeit von 8,4 Prozent, im Vergleich zum April aus. Der Handelskrieg mit den USA dürfte über den nachgebenden Aussenhandel zu einer ähnlichen Entwicklung in der Eurozone führen wie schrumpfendes oder wegfallendes Produktivitätswachstum, aber auch mit der Schaffung neuer tiefer bezahlter Jobs wie in der sich ausbreitenden Fast Food Gastronomie üblich sind.

IMF lobt Deutschlands Finanzen, sorgt sich jedoch um eine mögliche Immobilienpreisüberhitzung

Budgetbilanzüberschuss sollte in digitale Infrastruktur investiert werden

Der Weltwährungsfonds (IMF) geht davon aus, dass der in 2014 begonnene Haushaltsüberschuss bis mindestens 2023 andauern werde. Die günstigen Finanzen geben Deutschland die Möglichkeit zur Erhöhung ihrer Investitionen in Infrastrukturprojekte, insbesondere im Digitalbereich, wie in schnelle Internetverbindungen. Dies sei wichtig, um Deutschlands Position als Innovationsleader zu sichern.

Hauspreise in Deutschlands Städten stiegen mehr als in anderen Ländern der EU

Der IMF sorgt sich um die Entwicklung im Immobilienmarkt: Steigende Löhne, die grosse Anzahl an Immigranten, als auch die tiefen Zinsen hätten dazu gesorgt, dass die Hauspreise in den grossen Städten, wie München, Hamburg und Frankfurt stärker als in der Rest-EU gestiegen seien. Der Weltwährungsfonds empfiehlt, die gesetzlichen Bestimmungen im Baubereich zu lockern, was zu einer Entspannung am Immobilienmarkt führen könne.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: stevepb

Das könnte Sie auch interessieren:

Mehr in News, Wirtschaft
Glencore, der unterschätzte Rohstoffgigant (Teil II)

GLEN gross im Geschäft: Ohne Nickel, Kupfer und Kobalt läuft nichts in der eAuto Industrie Produktion, Infrastruktur und Betrieb von...

Schließen