finanzmag.com, Wochenrückblick KW 24

Nach dem Treffen der Präsidenten Kim Yong Un und Donald Trump herrscht verdächtige Stille. Bereits in seiner Pressekonferenz outete sich der US-Präsident als Geschäftsmann und Immobilien Mogul und verwies auf die wunderschönen Strände in Nord Korea, wo “man” grossartige Hochhäuser hinstellen könnte und zum nordkoreanischen Präsidenten “…und stellen Sie sich vor, Ihr könntet die besten Hotels der Welt haben…” Nach dem Slogan “make America great again” zeigte er auf, was die US-Industrie Nord Korea alles bieten könnte, angefangen von der Infrastruktur bis zur Technologie; schlichtweg alles. Das Potenzial, welcher er als Geschäftsmann erkennt, ist gigantisch. Im Vergleich dazu scheinen das Zerwürfnis und die sich ergebenden wirtschaftlichen Konsequenzen für die US-Industrie mit den “G7 minus 1” Peanuts zu sein. In Nord Korea geht es um viel mehr, denn “The Winner takes it all.” Aus diesem Grunde produzierte das Weisse Haus gar einen Werbefilm um den Nordkoreanern so richtig Appetit zu machen

• Die US-Inflation schiesst mit 2,8 Prozent weit über das anvisierte Ziel der Fed mit 2,0 Prozent hinaus. Es ist fraglich, ob die US-Notenbank mit ihren Zinserhöhungen die Inflation ausbremsen kann. Grund für die starke Zunahme des CPI war die Preisentwicklung im Energiebereich von 11,7 Prozent der vergangenen 12 Monate. Die gute Konjunktur der US-Industrie wird jedoch durch mehrere Probleme getrübt, so die steigenden Zinsen am Kapitalmarkt, einen Fachkräftemangel sowie stagnierende Löhne seit zwei bis drei Jahren was auf eine ungenügende Produktivitätssteigerung hinweist

• Deutschland’s Konjunkturerwartungen fielen im Juni weitaus mehr als erwartet zurück, nämlich um 7,9 Punkte auf minus 16,1, dem niedrigsten Stand seit 2012. Auch die Einschätzung der aktuellen Lage durch die Industrie lag tiefer, als angenommen. Statt dem Indexwert von 80,5 rutschte er um 6,8 Punkte auf 80,6 Punkte ab. Gleich mehrere Faktoren gaben den Ausschlag für diese Entwicklung. Nämlich die Bestätigung des schwächeren Wachstums, basierend auf dem unsicheren Ausgang und der Entwicklung des Handelskriegs mit den USA, den Konsequenzen aus dem Dieselskandal und ihren Auswirkungen auf die gesamte Autoindustrie sowie die innenpolitischen Entwicklungen

• Die wirtschaftlichen Aussichten hatten denn auch massgebliche Einflüsse auf zyklische Werte wie die Commerzbank (Wochenverlust -4,5 Prozent) und Deutsche Bank ( -0,7 Prozent), die Bauwirtschaft mit HeidelbergCement ( -2,3 Prozent) sowie, den Immobilienträger Covestro ( -3,2 Prozent). Als Wochengewinner erwiesen sich Energie-, Kommunikations-, Softwarewerte wie EON ( +5,8 Prozent), RWE ( + 5,9 Prozent), Siemens ( +5,3 Prozent), Deutsche Telekom (+ 2,7 Prozent) sowie SAP (4,2 Prozent)

• Bayer – Monsanto: Die Umweltwarner verstummen und die Aktie gewann die vergangene Woche 2,1 Prozent auf EUR 100,26 (Wochenhoch am Freitag bei EUR 101,14). USB schätzt das Kursziel gar auf EUR 130,00

• Deutsche Post: Das Unternehmen begründet die Gewinnwarnung mit Kosten für Automatisierung und Digitalisierung im Paketdienst und Strukturkosten im Briefgeschäft. Erste Analysten sind jedoch vorsichtig optimistisch geworden so die NordLB (Empfehlung “kaufen”), Société Göneral (“kaufen”, Ziel EUR 41,00) sowie Barclays (“übergewichten”, Ziel EUR 40,00). Doch das Volumen der gehandelten Titel deutet darauf hin, dass die Anleger noch nicht überzeugt sind, dass die Aktie bereits ihren Boden gefunden haben. Alleine in der vergangenen Woche gab das Papier 7,6 Prozent auf EUR 31,09 (Wochentief EUR 29,40) nach

Text: Radovan Milanovic

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