finanzmag.com, Wochenrückblick KW 22

Die Börsen standen die vergangenen Tage im Banne von zwei Ereignissen: Schafft es Rom eine neue Regierung zu bilden oder stehen bereits wieder Neuwahlen an? Zum zweiten begannen gestern Freitag die Handelssanktionen der Amerikaner gegen die EU wegen des Handelsbilanz-Ungleichgewichtes. Dabei ging die Bedeutung kommender Auswirkungen des geplaten Mega-Deals der Woche, nämlich die Fusion von Bayer und Monsanto fast unter.

  • Die Short-Strategie und die Verbreitung des Hyper-Pessimusmus für Italiens Zukunft hat sich am vergangenen Wochenende für die Hedge-Funds gelohnt. Beim Stimmungstief und optimalen Charttiming am Dienstag, den 29. Mai 2018 (FTSE MIB Italien 21.350,88 Punkte), konnten sie ihre Shorts eindecken und von den überverkauften Positionen profitieren. Der Leitindex gewann seit Dienstag 1,0 Prozent (DAX -1,7 Prozent). Finanzministers Giovanni Tria (Eurozone-Kritiker) und Europa-Ministers Paolo Savona (“Euro-Ausstieg ist eine Option und möglich”) dürften Brüssel neue Probleme hinsichtlich Solidarhaftung eines Italien-Schuldenschnitts bescheren. Wobei bereits ein neuer “Sanierungskandidat”, nämlich Spanien, ins Blickfeld des EU-Finanzministers gerät
  • Werden Bayer und Monsanto konsolidieren, werden vier globale Player rund 70 Prozent des gesamten Saatgut und Pflanzenschutzmarktes kontrollieren. Marktbeherrschend wären die deutschen BASF (EUR 85,13, Agricultural Solutions Umsatz 2017 5,7 Mrd.) und Bayer-Monsanto (Bayer EUR 103,26, Monsanto Umsatz 2017 EUR 27,5 Mrd., sowie der Umsatz 2017 von (Bayer-)Cropscience im Betrage von EUR 9,6 Mrd.), die schweizerische Syngenta (EUR 410,02, Saatgut und Pflanzenschutzmittel Umsatz 2017 EUR 10,2 Mrd.) und die amerikanische Corteva Agriscience, welch dem DowDuPont-Konzern gehört (USD 66,17, Corteva Agriscience’s 2017 Umsatz betrug USD 14,3 Mrd.)
  • Das G7-Meeting in La Malbaie (Kanada) am 08. / 09. Juni 2017 wird die Differenzen zwischen den USA auf der einen und Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada sowie Grossbritanien auf der anderen Seite nicht lösen. Die Handelsbarrieren sowie der erzwungene Handelsstopp mit dem Iran dürfte die “übrigen sechs Mitglieder” einigen und zu neuen (Wirtschafts-)Koalitionen führen

    – Tiefere Exportvolumen sowie teurer Stahl und aus Europa, Kanada und Indien dürfte die US-Autoindustrie und ihre Zulieferindustrie schwer treffen und für Produktionskürzungen und teurere US-Autos sorgen

    – Im Energiesektor kommt es, wegen einem möglichen Ausfall Irans als Energielieferanten – trotz der Russland-Sanktionen – bereits zur Hinwendung Richtung Russland: Dem Bau der Nord Stream 2-Pipeline zur Belieferung Europas mit russischem Erdgas dürfte plötzliche nichts mehr entgegen stehen

    – Der französische Energiekonzern Total (EUR 72,37) hat die Chance erkannt und plant mit Russlands grösstem Gasproduzenten Novatek (RUB 848,40) eine Zusammenarbeit. Mit der Investition von USD 2,5 Mrd. erwirbt Total 10 Prozent des Projektes “Arctic LNG-2

    – Mit der Abkühlung der Stimmung EU – USA in Handelsfragen und der Wiederbelebung der Energieachse Russland – EU drängt sich immer mehr die Frage der Rechnungswährung auf. Gerüchten zufolge, soll der EUR – zumindest im Handel mit Russland – in Kürze den USD ablösen

    Text: Radovan Milanovic
    Datenquellen: Geschäftsberichte der besprochenen Gesellschaften
    Bild: pixabay, Creator: geralt

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