Europas Parallelwährungen, eine Gefahr für den Euro?

Italien plant die Einführung der Parallelwährung Mini-BoTs

Nach Griechenland folgt Italien: Das unkontrollierte Anwachsen der Staatsschulden überschritt bereits vor längerer Zeit die rote Linie. In 2017 erreichte die Staatsverschuldung EUR 2,28 Bio. oder 135 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, ein Wert welcher das Euro-Konvergenzkriterium (max. staatlicher Schuldenstand darf 60 Prozent des BIP nicht übersteigen) mehr als das doppelte überschreitet. Doch Griechenland führt die Rangliste mit 178,6 Prozent als Spitzenreiter der Defizitsünder weiterhin an.

Bereits im Sommer 2017 meldete sich der Italiens früherer Ministerpräsident, Silvio Berlusconi, mit der Forderung einer Parallelwährung, den Mini-BoTs zur “Wiedererlangung der italienischen Souveränität.” Mini-BoTs sind Schatzscheine der Regierung, welche durch das italienische Wirtschafts- und Finanzministerium (Ministero dell’Economia e delle Finanze, MEF) in Rom herausgegeben werden sollen. Italien schafft sich somit eine mögliche Euro-Exit Strategie. Im Zuge dieser Entwicklung und der Sorge um die Zukunft des EUR verlor die Gemeinschaftswährung zum USD in der vergangenen Woche von 1,1947 auf 1,1771.

Mit der Renaissance von Silvio Berlusconi an höchste Regierungsämter ist die Einführung der Mini-BoTs nur eine Frage der Zeit. Mit diesen entledigt sich Italien – zumindest teilweise – seinen Verpflichtungen, also den Schulden. Mit dem Vorpreschen der Italiener Richtung Parallelwährung kann die EZB und mit ihr die EU nur noch reagieren, indem ein Schuldenschnitt – im Gegensatz zu Griechenland – kein Tabu mehr ist. Denn der Schritt zur Parallelwährung bedeutet de facto das Eingestehen der Illiquidität, womit sich auch die Frage der Haftung der übrigen EUR-Mitglieder im Falle eines  möglichen (Teil-)Zahlungsausfalls aufgrund der EUR-Haftungssolidarität stellt.

Mit den Mini-BoTs stehen der italienischen Regierung und der Wirtschaft frisches Kapital zur Vitalisierung der Wachstums zur Verfügung. Die letzte Bonitätseinstufung der Schulden Italiens wurden am 16. März 2018 durch die Rating-Agentur Fitch mit BBB bestätigt. Eine Einführung von Mini-BoTs wird jedoch zu einer erheblichen tieferen Bewertung von Italiens Verbindlichkeiten führen.

Bereits im Sommer 2017 meldete sich der Italiens früherer Ministerpräsident, Silvio Berlusconi, mit der Forderung einer Parallelwährung, den Mini-BoTs zur “Wiedererlangung der italienischen Souveränität.” Mini-BoTs sind Schatzscheine der Regierung, welche durch das italienische Wirtschafts- und Finanzministerium (Ministero dell’Economia e delle Finanze, MEF) in Rom herausgegeben werden sollen. Italien schafft sich somit eine mögliche Euro-Exit Strategie. Im Zuge dieser Entwicklung und der Sorge um die Zukunft des EUR verlor die Gemeinschaftswährung zum USD in der vergangenen Woche von 1,1947 auf 1,1771.

Etablierung von Regionalwährungen in Frankreich

Schon 2014 wurden in Frankreich rund 20 verschiedene Arten von (Parallel-)Währungen wie der “Pyrenäe”, den “Rollon” oder “Sardine” gezählt. Mit ihnen können bei angeschlossenen Geschäften wie dem lokalen Gewerbe (Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Metzgereien…) Güter des täglichen Bedarf oder Dienstleistungen erworben und bezahlt werden. Solche Coupon-Währungen werden zu einem festen Wechselkurs zum EUR getauscht. Insbesondere im Grossraum Paris werden Alternativwährungen wie der “Pêche” (der Pfirisch) immer beliebter. Mit La Pêche wollen die Initiatoren die lokale Wertschöpfungskette fördern. Parallelwährungen stehen natürlich ausserhalb regulatorischer Kontrollen seitens Behörden und Währungshüter.

Schweiz mit offizieller Parallelwährung seit 1934

Zur Unterstützung und Solidarisierung gründeten Anhänger der Freiwirtschaftstheorie 1934 die WIR Wirtschaftsring-Genossenschaft. Angeschlossene Mitglieder organisierten einen Tauschhandel. Mittels gegenseitiger Verrechnung von Forderungen und Zahlungen von Spitzen in Form von Checks funktioniert das System WIR bereits über 80 Jahre. Seit 1936 besitzt WIR die Rechte und Pflichte einer Bank und führt Konti und vergibt (günstige) Kredite. Dank diesen kann die WIR-Geldmenge gesteuert und gleichzeitig mittels Impulsen die wirtschaftlichen Tätigkeiten der Mitglieder begünstigt werden.

Text: Radovan Milanovic

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