Ende des EUR Höhenflugs?

EUR – technisch und fundamental ausgereizt?

Obwohl seit der Bundestagswahl Ende September 2017 um die Regierungsbildung der grössten Volkswirtschaft im EUR-Raum gestritten wurde, zeigte sich der EUR von seiner stärksten Seite. Am Wochenende kam sie in Griffnähe, die GroKo. Just am Freitag durchbrach der EUR (zum USD) sein Dreijahreshoch mit einem Kursgewinn von 11,8 Prozent innerhalb eines Jahres. Technisch gesehen dient das Hoch von 2017 bei 120,92 als neuer Unterstützungskurs. Der Preis einer Währung hängt vom Vertrauen in die Währung – aber auch von der politischen Stabilität – des Währungsbereiches ab. Doch in den vergangenen Monaten wurden diese beiden Faktoren der Länder im EUR-Verbund auf eine harte Probe gestellt. Trotzdem zeigte der EUR Stärke. Im Umkehrschluss: Der USD schwächelte. Wie wahr diese Feststellung ist, zeigt der Kursverlauf der wichtigsten Crosswährungen der vergangenen zwölf Monate USD / CHF (+ 3,6 Prozent), USD / AUD (+ 5,2 Prozent) USD / CAD (+ 4,8 Prozent), USD / CNY (+5,9 Prozent) USD / JPY (+ 3,1 Prozent) sowie USD / RUB (+ 4,9 Prozent).

US-Zinserhöhungen in Sicht – die US-Währung dürfte zins- und wachstumsbedingt steigen

Die Minutes des FOMC (Offenmarktausschusses) der US-Notenbank vom vergangenen Dezember deutete bereits auf drei Zinserhöhungen dieses Jahres hin, wovon die erste bereits am 20./21 März 2018 stattfinden soll.

Höhere Zinsen machen sich in den USA bereits im zinssensitiven Immobiliensektor bemerkbar: Vor drei Monaten, also Mitte Oktober 2017, lagen die durchschnittlichen Hypothekenzinsen bei 4,18 Prozent. Am 12. Januar 2018 bei 4,22 Prozent. Für Ende Januar erwarten die Analysten Durchschnittswerte um 4,25 und per Ende März 4,30 Prozent. Die Ökonomen gehen von 4,44 Prozent per Ende 2018 aus. Die Zinskurvenmodelle lassen somit eine Verzinsung 30-jähriger Hypothekenanleihen von 6,5 Prozent erwarten.

Weltbank warnt vor steigenden Zinsen und Inflation

Bereits seit Monaten antizipieren die Finanzmärkte steigende Zinsen. Jetzt doppelt die Weltbank nach und warnt vor den Risiken stark anziehender Zinsen aufgrund des höher als erwarteten globalen Wachstums in diesem Jahr. Gemäss der Bank würden in den Industrieländern viele Betriebe an der Grenze zur Kapazitätsauslastung arbeiten. Solche Überhitzungserscheinungen führen zu Inflation. Die Weltbank geht von einem globalen Wachstum von 3,1 Prozent in 2017 aus. Für 2018 und 2019 erhöhte sie ihre Wachstumsprognosen von 2,7 auf 3,0 Prozent. In der Eurozone soll die Wirtschaft in 2017 gar 0,7 Prozent über den Erwartungen von 1.7 Prozent wachsen, nämlich 2,4 Prozent. Auch für 2018 sieht die Weltbank höhere Wachstumswerte, nämlich 2,1 statt 1,5 Prozent.

Die Weltbank unterstreicht ihre Zinsbefürchtungen mit dener Aussage, dass bei geringsten Zinsanpassungen durch die Zentralbanken die ausgelasteten Industrien überdurchschnittlich stark betroffen seien. Denn viele Unternehmungen profitieren von tieferen Zinsen indem sie Finanzierungen ihrer Produktionsausweiterungen mittels Kredite getätigt haben.

Text: Radovan Milanovic

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