Ende der EUR / USD Talfahrt?

Überverkaufter EUR dürfte zur Korrektur ansetzen

Die Zeichen mehren sich, dass der USD – zumindest kurzfristig – als “sicherer Hafen” ausgedient hat. Gleich mehrere Meldungen aus den USA lassen aufhorchen

  • US-Staatsschulden auf Rekordhöhe: Die Verbindlichkeiten der USA stiegen in den vergangenen 11 Monaten um USD 1 Bio. (+4,8 oder 5,2 Prozent p.a.) und dies bei steigendem Zinsniveau, was die Schuldenspirale noch schneller drehen lässt. Die Staatsverbindlichkeiten sollen schon bei rekordhohen USD 22 Bio. stehen. Bereits jetzt schlagen die Zinsen mit USD 1,0 Mrd. pro Tag zu Buche
  • Gewinnwachstum von US Unternehmen: Die Gewinne von US-Unternehmen sollen in 2019 “nur” 5 Prozent steigen. Bei angenommenen 2,2 Prozent Inflation in 2019 ergäbe sich im laufenden Jahr ein Nettogewinnwachstum von nur ca. 2,8 Prozent

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung Chart

Gründe, welche für eine Erholung des EUR sprechen

  • Mit der voraussichtlichen Verhinderung eines neuerlichen Shutdowns in den USA und der mutmasslichen Verschiebung höherer Zölle auf chinesischen Importen dürfte wieder Vertrauen in den Handelspartner USA zurückkehren. Für die EU(-Export Power) bedeutet dies wieder business as usual (EUR-Nachfrage)
  • Eine Umfrage durch Bank of America Merrill Lynch bei grossen institutionellen Investoren weist darauf hin, dass der Cash-Bestand institutioneller Anleger seit 2009 nie mehr so hoch gewesen ist. Erfahrungsgemäss repatriieren ausländische Investoren ihre Cash-Bestände nach Profit takings (am Aktienmarkt) in Heimwährungen, wie den EUR
  • In der Brexit-Streitfrage mit Grossbritanien zeigt die EU seit langem wieder politische Einheit. Ein harter Brexit wird immer wahrscheinlicher. Vom steigenden Risiko des GBP dürfte primär der EUR (sekundär der USD) profitieren
  • Das Problem der fehlenden Budgetdisiziplin der italienischen Regierung, welche zum Vertrauensverlust des EUR beigetragen hat, scheint sich abzumildern. Die italienische Regierung möchte einen Führungswechsel der italienischen Nationalbank (Banca d’Italia) erreichen. Zudem soll ein Teil der Goldreserven zur Finanzierung des Staatshaushalts verwendet werden
  • Aufgrund des stark überverkauften Marktes (68 Prozent der Händler sind short, 32 Prozent sind long), drängt sich eine technische Gegenreaktion geradezu auf. Die wichtigsten technischen Indikatoren des EUR stehen auf “kaufen.” Die klassischen Pivot-Punkte weisen bei 1.1308, 1.1215, 1.132 auf Supports und bei 1.1345, 1.375 bzw. 1.1410 auf Widerstände hin, basierend auf dem Schlusskurs am Dienstag von 1.1330

Ob der EUR wieder an Fahrt gewinnen kann, hängt stark von der neuen Konjunkturdaten wie der EU-Industrieproduktion vom Mittwoch als auch von den US-Inflationszahlen vom Januar 2019 ab.

Text und Bild: Radovan Milanovic

Das könnte Sie auch interessieren: