Einfluss der Politik auf die Börse

Finanzmärkte setzen auf Fakten

Wie sensibel die Börsen auf politische Entwicklungen reagieren zeigten die Momentaufnahmen des deutschen Aktienmarktes, sensitiver Finanzwerte sowie des EUR. Wir erinnern uns: Am Montagnachmittag baute sich eine Drohkulisse auf. Wie nachhaltig ein politisches Sentiment auf die Kursentwicklung von Aktien- und Devisenmärkte haben sein kann, zeigt das klassische Lehrbeispiel am Kursverlauf des DAX-Futures sowie des EUR/USD.

Pokerstimmung am Nachmittag:  Stimmen in der Presse schliessen Neuwahlen nicht aus…

Stand 15:30h bis 21:30h MESZ (Bewegungen auf 1-Minutenbasis)

  • DAX-Future: 12.270 – 12.449 ( -1,4 Prozent)
  • EUR/USD: 1,1637 – 1,1610 ( -0,0027 Basispunkte)

Reaktion der Märkte auf den politischen Kompromiss in Bonn von 21:30h bis 24:00h MESZ

  • DAX-Future: 12.449 – 12.951 ( +3,9 Prozent)
  • EUR/USD: 1,1610 – 1,1640 ( +0,0030 BP) wobei um 22:00h der EUR innerhalb von drei Minuten von 1.1615 um 0,0035 anzog; im Devisenhandel eine erhebliche Fluktuation

Nach 24:00h MESZ drehten die Märkte wieder. Denn genau genommen sind keine Ergebnisse sondern nur ein Nebel-Kompromiss bekannt. Die deutschen Index- und Bankenfutures sowie der EUR zeigten somit ein kleines Strohfeuer ohne Bedeutung. Per Saldo schlossen die beobachteten Werte in der 24stündigen Beobachtungsperiode im Minus. Einzig die klassische Fluchtwährung, der CHF (EUR/CHF) schloss unverändert nämlich bei 1,1565. Am Dienstag dürfte wird die Devise wieder “business as usual” heissen.

Erste Juli-Börsen Woche dürfte tendenziell schwächer tendieren

Während den Tagen um den US Independence Day am 4. Juli, dem Nationalfeiertag der Amerikaner, findet meist ein lustloser Handel statt. Im langfristigen 5jahres Durchschnitt lagen die Umsätze der US-Börsen in der ersten Juli-Woche rund 20 Prozent tiefer und im Gefolge auch die europäischen Aktien-Indices.

In China, Japan und Südkorea wird das globale Wachstum mit Sorge beobachtet. Kommt dazu, dass die Importzölle auf chinesische Produkte im Volumen von USD 34,0 Mrd. am kommenden Freitag in Kraft treten werden. Die Antwort der Chinesen wird postwendend folgen und die Börsen zusätzlich unter Druck setzten. Ein Hinweis auf diese Entwicklung zeigte das Nachgeben des Bloomberg-Commodity Indexes von 1,9 Prozent am Montag. Dies ist der grösste Rückgang seit November 2016. Sie weist auf die schwächere Nachfrage nach Rohstoffen durch die Industrie hin. Dazu kommt der Druck von Präsident Trump auf Saudi Arabien, den Ölausstoss nicht zu erhöhen, um den Ausfall des Handels mit iranischem Öl auszugleichen. Im Wochenvergleich legte das Fass der Sorte Crude (WTI Futures) +9,1 Prozent zu USD 73,94 zu. Unter den gegebenen Umständen stehen acht von 12 technische Indikatoren auf “bullish.” Von 12 Analysten sehen 10 ein “Kauf.”

Text und Bild: Radovan Milanovic

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