easyJet-Aktien bisher unterschätzt – Kerosinkosten, die Zukunftsrisiken

easyjet-Aktien mit stolzer Performance – Ryanair-Aktien, die verschmähten Papiere

Seit Beginn der Erstkotierung der easyJet-Aktie (EZJ.L London, EJT1.F Frankfurt, ESYJF OTC) an der London Stock Exchange (LSE) in GBP im Januar 2007 sind sich die Analysten uneins über den möglichen Kursverlauf der Aktie. Die Meinungsvielfalt nach dem Motto Jekami (jeder kann mitmachen) verbreitete nur Unsicherheit bei der Anlegergemeinde. So kam es vor, dass am gleichen Tag gegensätzliche Empfehlungen wie “Buy” und “Sell” die Anleger verwirrten und sie so reelle Chancen verpassten. In der Mehrheit sind  Analysten bei Empfehlungen von Aktien des Flugsektors äusserst zurückhaltend. Insbesondere bei Billigairlines. Zu den Fakten: Seit Beginn der Kotierung von easyJet performte der Benchmark der FTSE 100 (von 6.310.90), nur +21,8 Prozent auf 7.683,97 Punkte, verglichen mit dem Kursverlauf der Aktie von GBP 6,37 auf GBP 16,89 ( +157,8 Prozent). Der Kursanstieg bescherte dem Aktionär eine Gesamtrendite (Anlagerendite) von stolzen 257,7 Prozent ( +13,0 Prozent p.a.).

EasyJet ist innovativ, kommt zuweilen auch wegen unpopulärer Entscheidungen wie einer ganzen Liste zusätzlicher, möglicher Gebühren beim Buchungsprozess ins Gerede. Trotzdem, im Gegensatz zu Ryanair, welche mehrheitlich Provinzflughäfen anfliegt, kommt easyJet zu den Kunden, baut sein Streckennetz auf Grossflughäfen aus und spricht damit auch im zunehmendem Masse Geschäftsreisende an.

Geschäftsumfeld für Billigairlines im Wandel

easyJet- und Ryanair-Aktien werden in einem Atemzug miteinander verglichen. Im 3-jahres Vergleich gaben die Ryanair-Papiere -18,0 Prozent nach, verglichen mit dem Kursgewinn von +48,4 Prozent der easyJet-Aktien. Die hohen Investitionskosten der Billigairlines rechnen sich jedoch nur, wenn das Geschäftsumfeld wie Hochkonjunktur (stark steigendes Reisebedürfnis), tiefe Energie- und Kapitalkosten sowie optimale Geschäftsbedingungen garantieren. Hinsichtlich der künftigen Rahmenbedinungen der Billigairlines steht es jedoch nicht mehr allzu gut: Der in der Luft liegende Handelskrieg wird die Konjunktur schwächen und Auswirkungen auf das Reiseverhalten der (preissensitiven) Touristen haben. Die globalen Zinsen haben ihren Boden erreicht und sind tendenziell am Steigen. Aufgrund kontinuierlicher Investitionen weisen Airlines, insbesondere Billigairlines, traditionell einen hohen Fremdfinanzierungsgrad auf (Ryanair 63,9 Prozent, easyJet 53,1 Prozent, Stand Ende 2017)

Preisschub der Kerosinpreise treffen vor allem Billigairlines

Die Kerosinkosten, der grösste variable Kostenfaktor im Flugwesen, sind seit Dezember um rund 18 Prozent gestiegen. Da die Fluggesellschaften ihren mutmasslich benötigten Energiebedarf lange im voraus am Terminmarkt beschaffen, verzögern sich die Auswirkungen sowohl auf die Kalkulation der Flugkosten als auf die Bilanz und Erfolgsrechnung der Gesellschaften. Hiezu veröffentlichte die IATA soeben alarmierende Fakten: Die Kerosinpreise an den Commodity-Märkten sind im Juli im Jahresvergleich um 47,2 Prozent auf USD 88,1 pro Fass gestiegen. Lufthansa spricht davon, dass in 2017 bei einer Beförderung pro Passagier und einer Flugdistanz je 100 km 3,68 Liter Kerosin benötigt worden sind. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wieviel Ryanair bei Flügen ab Berlin – Budapest, Venedig, Toulouse… (EUR 9,98) wohl “verdient” hat. Eine vollständige Abwälzung höherer Energiekosten auf die Ticketpreise ist wegen der hohen Preiselastizität der Nachfrage kaum möglich. In jeden Falle dürften höhere Transportkosten zu Lasten des Ladefaktors und somit zu auch zu mehr Flugstornierungen führen.

Text: Radovan Milanovic

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