Dynamische Preise, Brüssel beschliesst Offenlegung durch Online-Händler

Bereits zu Beginn der Einführung personalisierter Preise zeigten sich die Konsumenten bestürzt, ob dem Datensammeln der Detailhändler mittels der Benützung ihrer Kundenkarten. Doch diese wollten “nur Gutes” tun, indem sie die Vorlieben der Kunden analysieren und ihre Kundentreue mit personalisierten Angeboten belohnen wollen. Die Einwände der Konsumentenschützer: Jemandem, welcher beispielsweise immer dieselbe Gesichtscrème kauft, könnte doch auch der Preis nach oben angepasst werden, ohne dass dieser die Marke wechselt. Die Händler nennen diese Vorgehensweise “dynamische Preise.” Diese Methode der Preisgestaltung hat auf viele Geschäftsfelder übergegriffen.

Dynamische Preise, Brüssel beschliesst Offenlegung durch Online-Händler

Dynamische Preise, die harmlosen Beispiele…

  • In den vergangenen Jahren setzte das mildere Wetter vielen Skiorten zu. Der Schneemangel machte sie erfinderisch. Besonders solchen, welche auf begüterte Gäste setzen. Drei Beispiele aus der Schweiz: Andermatt, St. Moritz und Zermatt kurbeln den Tourismus in nachfrageschwachen Zeiten mit attraktiven Preisen an. Algorithmen berechnen ideale Übernachtungspreise, Fahrtkosten für Skilifte… Auf diese Weise lassen sich Einnahmefluktuationen glätten
  • Dynamische Preise werden bei Fluggesellschaften seit Jahren angewandt. Doch kaum jemand versteht das System, nach welchem die Ticketpreise berechnet werden. Zu den bekannten Parametern der Preisgestaltung der Tickets gehören die Buchungsklasse (sowie ihre Unterklassen), Historie des Kunden mit der Fluggesellschaft, Bedingungen (stornierbar /umbuchbar), Zeitdauer bis zum Abflug, Aufenthaltsdauer am Zielort…
  • Flexible Hotelpreise, sind für viele Hoteliers die Lösung, um die Bettenauslastung zu steigern. Oft mit Dumpingpreisen, Lockvogelangeboten (nur wenige Zimmer sind zu günstigen Preisen verfügbar), Berücksichtigung der Preise der Konkurrenz, aber auch mit “vorteilhaften Bewertungen” bei Buchungsportalen, sozialen Medien oder bei Google.

…und die Erfahrungen, welche wir alle schon gemacht haben

Was grosse Online-Buchungs- und Vergleichsportale nicht zugeben, jedoch offensichtlich verwenden dürften, ist die Benutzung  von Erkennungssoftware oder Cookies, welche unsere Anfragen (aufgrund der IP-Adresse) speichern, bei wiederholten Anfrage erkennen, auswerten und uns höhere Produktpreise berechnen als bei der Erstanfrage. Sei es bei Übernachtungs- oder Flugbuchungen. Die Manipulation mancher Preise bei der zweiten / dritten Anfrage ist offensichtlich.

EU-Parlament beschliesst Informationspflicht der Online-Händler

Das Gesetzespaket sieht vor, dass die Online-Händler und Vergleichsportale ihre Bewertungsverfahren verständlicher machen müssen. Die EU-Parlamentarier haben einen entsprechenden Richtlinien-Entwurf zur Reform der Verbraucherschutzvorschriften verabschiedet. Zusätzlich soll eine Verordnung die Kunden eine leichtere Orientierung beim Online-Shopping verschaffen. Daneben müssen die Anbieter die Nutzer über die massgebenden Parameter der Preisbildung informieren.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: geralt

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