Droht den Pharmagesellschaften eine Klagewelle in den USA?

Insys Therapeutics übertspannte den Boden

Da die Drogensucht in Teilen der USA dramatische Ausmasse angenommen hat, versucht die Regierung mit allen Mitteln Herr der Lage zu werden. Die Stimmung in der Regierung verschlechterte sich vollends, als bekannt wurde, dass der Gründer von Insys Therapeutics, Ärzte “animiert” haben soll, Drogenabhängigen das Krebs-Schmerzmittel “Subsys” zu verschreiben und diese von den Medikamenten abhängig gemacht zu haben. In der Zwischenzeit haben verschiedene US-Gliedstaaten, Provinzen und Städte Zivilklagen gegen Hersteller, den Grosshandel und Pharmakatten eingereicht. Da die Bundesstaaten und Kommunen mit den Kosten der Epidemie überfordert sind, sehen sie in den Pharmagesellschaften die wahren Schuldigen hinter der Drogensucht.

Das Misstrauen gegen Pharma-Gesellschafte schwelt schon seit zwei Jahren

Die Stimmung kippte endgültig, als Turing Pharmaceuticals  unter seinem Gründer, Martin Shkreli, die Preise des Medikaments Daraprim (gegen Immundefekten wie AIDS) im September 2015 erheblich anhob: statt USD 13,50 erhöhte die Gesellschaft den Preis über Nacht auf USD 750,00 pro Tablette.  Der Fall “Subsys” brachte das Fass zum Überlaufen. Mit der Ausrufung des Nationalen Notstandes wegen der Heoin-Krise sehen die Anwälte ihre Stunde gekommen.

Besonders die verschreibungspflichtiger Betäubungsmittel, deren Hersteller und der Vertrieb werden bereits durch ein Senats-Komitee unter die Lupe genommen. Die Aktien der Pharma-Gesellschaften reagierten sogleich mit Kursverlusten. Das Komitee klagte in einem Untersuchungsbericht, dass die Pharma-Industrie mehr für Werbung und Verkaufsförderung ausgeben, als für Forschung und Entwicklung neuer Produkte. In der Tat hat dies die Stimmungsspirale weiter angeheizt. Es muss somit angenommen werden, dass die grossen Pharma-Multis mit Schadenersatzklagen rechnen müssen, da diese eine grosse Palette von Produkten anbieten unter denen auch beanstandete Medikamente sein dürften. Denn die Verschreibung und der Verkauf von Medikamenten ist in den USA ein riesiges Geschäft. Eine Statistik aus dem Jahre 2012 führt aus, dass in den USA alleine im betreffenden Jahr 259 Mio. Rezepte für Betäubungsmittel ausgestellt worden sind.

Die potentesten Pharmagesellschaften dürften mit den ersten Klagen rechnen

Bereits werden Parallelen zu den Schadenersatzforderungen der Tabakindustrie gezogen, welche seit Beginn der Forderungen in 1998 in 46 Bundesstaaten rund USD 206 Mrd. an die Kläger ausrichten mussten.

Von den 10 grössten Pharmagesellschaften weltweit stammen sechs aus den USA (Pfizer, Merch & Co., Johnson & Johnson, Gilead Sciences, AbbVie und Amgen),Novartis und Roche aus der Schweiz, Sanofi aus Frankreich und GlaxoSmithKline aus Grossbritanien.

In Anbetracht des grossen und profitablen US-Marktes, müssen die Pharma-Industrie wohl in den sauren Apfel beissen.

Text: Radovan Milanovic

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