Digital Banking: Aussterbender Beruf Anlageberater

Künstliche Intelligenz im Griff der Bankbranche oder Bankbranche im Griff der künstlichen Intelligenz?

Kaum ein Industriezweig ist einem solch tiefgreifenden Umbruch ausgesetzt wie das Finanzwesen. Die Digitalisierung im Bankwesen hat sich schleichend ausgebreitet und mit dem online-Banking neue Trends und ein “point of no return” gesetzt. Nach Basistransaktionen wie Abhebungen, Transfers, Investitionen, auch Kreditgeschäfte folgte das Mobile Pay… Stillstand bedeutet Rückschritt. Doch bis zu welchem Grad akzeptiert der Bankkunde den Abbau von Dienstleistungen? Ab welchem Zeitpunkt fühlt er sich nur noch als Manipuliermasse? Zu schnelle Einschränkunden von Kunden-Services bringen nicht nur Einsparungen sondern gehen auch zu Lasten von Kundenbeziehungen; Kunden, welche zu anderen Instituten abspringen.

Banken erfinden sich neu

  • Die Bankkunden erledigen Arbeiten, welche früher (teure) Bankangestellte tätigten. Der kleinere Bedarf an “konventionellen Bankangestellten” geht einher mit dem Abbau von Bankfilialen. Die Zukunft gehört  vermehrt Finanz-Spezialisten mit IT-Kenntnissen
  • Günstigen Transaktionskosten durch Online-Banken und -Broker setzen klassische Banken unter Konkurrenz- und Kostendruck. Aus Kostengründen werden immer mehr administrative Bankarbeiten, wie Back- und Middle Office-Aufgaben, outgesourced
  • Die Digitalisierung setzt neue Massstäbe an Ausbildung und Aufgaben der Banker. Modernere Technologien führen zu weiteren Arbeitsplatz- Einsparungen

Digitales Anlagegeschäft – automatisierte Vermögensverwaltung

Schweizerische Kantonalbanken bis vor kurzem Finanzinstitute für eine eher konservative Klientel zeichneten sich bis vor kurzem eher durch risikoaverse Empfehlungen und Vermögensverwaltungen aus. Im Zuge des Konkurrenzkampfes haben sich einige dieser 24 Institute zu wahren Trendsettern entwickelt.

Digifolio – automatisiertes Portfolio-Management

Am 27. Juli 2017 gab die Basellandschaftliche Kantonalbank bekannt, ihr Anlagespektrum mit der Software “Digifolio” zu ergänzen, welche das Startup True Wealth AG entwickelte und der Bank zur Verfügung stellt. Die Online-Software ermöglicht Bankkunden ab einem Anlagevermögen von CHF 5.000 (EUR 4.150) die selbständige, automatisierte Vermögensverwaltung mittels ETF-Anlagen. Das Anlageuniversum des Digifolio umfasst (vorerst?) Investitionen der Nachhaltigkeitskriterien Umwelt, Soziales und Corporate Governance. Abgestimmt auf die persönliche Risikobereitschaft und die finanziellen Verhältnisse sorgt Digifolio für ein individualisiertes, optimiertes Anlagepaket. Die Kunden können das vorgeschlagene Portefeuille akzeptieren oder nach ihren Wünschen anpassen.

Investomat – digitale Anlageberatung mit “vollständigem Verzicht auf persönliche Beratung”

Pressemeldung vom 17. Januar 2018: Die Glarner Kantonalbank lanciert die digitale Anlageberatung per 01. April 2018. Die Bank bietet den softwaregestützten Anlageprozess Investomat zur Erreichung von Spar- und Vorsorgezielen sowie den gezielten Vermögensaufbau an. Die Kombination von modernsten Technologien und der Zugriff auf weltweite Finanzdaten würden den Kunden echte Mehrwerte bieten. Im Gegenzug zur automatisierten Verwaltung und dem Verzicht auf persönliche Beratung profitiert der Bankkunde von günstigen, attraktiven Konditionen.

Die Stossrichtung und die Zukunft der Banken ist klar: Kostensenkung querbeet bei allen Bankdienstleistungen. Die Folge: Persönliche Kundenbetreuung bei Bankgeschäften dürfte in Zukunft eher die Ausnahme sein.

Text: Radovan Milanovic

Das könnte Sie auch interessieren: