Dieselpreise im Auftrieb

An den Zapfsäulen wird es schmerzhaft. Bereits im April mussten Autofahrer für Diesel, Normalbenzin und Super E10 so tief in die Tasche greifen wie seit drei Jahren nicht mehr.

Die Ursachen für die Preisanstiege – Diesel kostete im Monatsschnitt im April 1,214 Euro und

Photo: pixabay, Creator: ResoneTIC

somit 3,1 Cent mehr als noch im März – sind die deutlich höheren Rohölpreise. Diese werden mit geringeren Fördermengen innerhalb der OPEC, einem Zusammenschluss erdölexportierender Länder, einem kräftigen Rückgang der Fördermenge in Venezuela und der Krise zwischen den USA und dem wichtigen Förderland Iran erklärt.

Teurer Treibstoff wirkt sich auch auf die Inflation aus, die im April im Vergleich zum Vorjahresmonat 1,6 Prozent höher ausfiel. Seitdem sind die Preise vor allem für Diesel noch weiter gestiegen. Im Mai lagen sie gar bei über 1,30 Euro pro Liter und sind seitdem nur schwach gesunken.

Für Besitzer von Dieselfahrzeugen ist dies ein weiterer Schlag in einer Kette von Rückschlägen. Die einst als sparsam und sauber gepriesenen Automobile sind längst wegen der Stickoxide aus dem Auspuff als Gesundheitsgefahren bekannt. In vielen deutschen Städten bestehen deshalb in den Innenstädten Fahrverbote für ältere Diesel, die nach und nach ausgeweitet wurden, und an Tagen mit hoher Luftverschmutzung werden diese Verbote auf den gesamten Stadtbereich ausgeweitet.

Betroffen sind Fahrzeuge, die höchtens die Abgasnorm 4 erfüllen. Aufgrund der Dieselskandale in den USA, bei denen bekannt wurde, dass die Emissionsangaben deutscher Wagen manipuliert waren und auch die neuen Modelle schmutziger sind als von den großen Herstellern behauptet, können ab September 2019 auch Fahrzeige mit der Abgasnorm 5 betroffen sein.

Ein entsprechender Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts ist die Reaktion auf Klagen seitens verschiedener Umweltverbände, denen die Verbote nicht weit genug gingen, und seitens Dieselbesitzern und Landesregierungen, denen sie zu weit gingen.

Im Endeffekt ist der wirtschaftliche Schaden für Dieselbesitzer und Autoindustrie der Kernpunkt. Mehr als 15 Millionen Diesel-Pkw waren im Januar 2018 in der Bundesrepublik Deutschland zugelassen.

Zwar haben zahlreiche Hersteller die Nachrüstung mit neuer Software angeboten, die die Emissionen verringern sollen, aber der Dieselmarkt hat Schaden genommen. In etlichen Fällen konnten Dieselkäufer vom Kaufvertrag zurücktreten, einen niedrigeren Preis aushandeln oder Nachbesserung erhalten. Ob das reicht, um Dieselfahrzeuge wieder populär zu machen, wird sich noch herausstellen.

Was die Abgase so schädlich macht, sind vor allem die bei der Verbrennung entstehenden Stickoxide, die durch den Auspuff ins Freie gelangen. Diese verbinden sich mit Sauerstoff zu Stickstoffoxiden, die Augen und Atemwege reizen, in die Lunge eindringen, die Bronchien und Blutgefäße verengen und Entzündungen auslösen können. Bei Herz-Kreislauf-Patienten kann durch die Abgase das Herzinfarktrisiko erhöht werden. Asthma und Allergien können ebenfalls verschlimmert werden.

Die Europäische Union hat Grenzwerte festgelegt, um die Belastung durch Stickoxide möglichst gering zu halten. Erlaubt sind im Jahresmittel 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Aufs Jahr verteilt dürfen maximal 18-mal für je eine Stunde 200 Mikrogramm erreicht werden.

2017 wurden diese Werte in deutschen Städten 70-mal überschritten. Am schmutzigsten war die Luft in Stuttgart, Köln und München.

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