Die Profiteure eines Defaults von Venezuela

Der letzte Akt der Tragödie

Das Gläubigermeeting in Caracas wurde nach 30 erfolglosen Minuten abgebrochen. Zu den wichtigsten Gläubigern gehören verschiedene US-Gesellschaften. Die Regierung kam zur Erkenntnis, dass der teure Schuldendienst (hohe Verzinsung der Schulden) per Saldo die Schulden noch höher türmt. Ende dieses Jahr sind weitere USD 9 Mrd. zur Zahlung fällig. Angefangen von den USA, gefolgt von Kanada führen immer mehr Länder, wie die EU insgesamt, Sanktionen gegen das Land ein. Die US-Regierung spricht bereits davon, dass eingefrorene Auslandsgelder und aus dem Ausland nach Venezuela fliessende Gelder des Staates an die Anleihengläubigern umgeleitet werden. In der vergangenen Woche konnten fällige SWAP-Verpflichtungen mangels flüssiger Mittel nicht erfüllt werden. Ein Indiz der Zahlungsunfähigkeit. Fehlende Devisen haben den ganzen Import an Lebensmittel und Medikamenten zum Erliegen gebracht.

Venezuela und staatliche Gesellschaften sind bereits “technisch zahlungsunfähig”

Eine technische Zahlungsunfähigkeit tritt ein, wenn Zinszahlungen und / oder Rückzahlungen von Verpflichtungen (wie Kredite oder Anleihen) am Fälligkeitsdatum nicht in vorgesehener Höhe geleistet werden (können). Bis anhin sind wohl Zinszahlungen der grössten Schuldner wie des Staates oder der staatlichen Ölgesellschaft, die Petroleos de Venezuela SA geleistet worden. Diese treffen jedoch immer später bei den Gläubigern ein. Die Finanz- und Kapitalmärkte stellen sich bereits auf den baldigen, vollständigen Ausfall der Zahlungen ein. Trotzdem wollen sie diesen mit allen Mittel herausschieben. Denn das hätte für viele US-Fonds und Banken grosse Abschreibungen (und Probleme / Schadenersatzforderungen durch Anleger und Aktionären) zur Folge. Zur Zeit heisst ihr Motto schlicht “Augen zu und durch.”

Am (bitteren) Los von Venezuela lässt sich viel verdienen

Im Finanz- und Kapitalmarkt stehen zwei Seiten gegenüber: Jene, welche auf die Zahlungsunfähigkeit gesetzt haben und jene, welche ihn – obwohl schon eingetreten – auf alle Fälle verhindern wollen.

  • Anleihen von Petroleos de Venezuela SA (2020), welche trotz einer Garantie durch die US-Niederlassung Citgo Petroleum Corporation Inc. (Citgo)  mit einer Laufzeitrendite von stolzen 12,1 Prozent gehandelt. Vor der Konferenz lag diese Rendite bei 20,7 Prozent. Die Laufzeitrendite der Benchmark-Staatsanleihe Venezuela 2027 beträgt 17,9 Prozent. In 13 Monaten fällige Bonds der Regierung rentieren gar 166,7 Prozent. CDs schlussendlich weisen Risikoaufschläge von 2.100 bis 2.200 Basispunkte auf. Venezuela-Papiere sind “hot” und der spezialisierte Handel arbeitet mit grossen Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreisen sämtlicher Handelseinheiten (Kredite, Anleihen, derivative Produkte, Optionen…). Entsprechend hoch sind die Gewinnmöglichkeiten des Handels und Hedge-Fonds
  • Der Erlös der Erdölverkäufe sorgen für den grössten Teil der Deviseneinnahmen des Landes neben Exporterträgen aus dem Verkauf von Kaffee, Kakao, Erzen und Kohle.
    Im vergangenen Monat fiel die Öl-Förderung auf unter 2 Mio. Fass pro Tag. Unter Präsident Chaves betrug diese 3 Mio. Barell. Ein weiterer Rückgang ist wahrscheinlich, denn die Förderanlagen können – wegen des Embargos – nicht mehr gewartet und die nötigen Ersatzteile nicht mehr eingeführt werden. Zudem schnüren die Embargos den Handel mit dem Ausland ein. Der Rückgangs der Ölförderung Venezuelas ist zum Teil auch der Grund für die global höhere Preissockelung des Crude-Oils. Amerikas Ölgesellschaften, welche seit drei Monaten massgeblich am Exportwachstum der USA beitragen, profitieren im grossen Masse am faktischen Förderstopp des erdölreichsten Landes
  • Nach einer Insolvenz dürften sich die Gläubiger an den Filetstücken des Landes bedienen. Ölservice-Gesellschaften könnten dank der einmaligen Chance vor der Haustür ” eine Renaissance winken. Denn der Preisrückgang des Öls sorgte für erhebliche Auftragsrückgänge der Branche. Die grössten im Markt wie Schlumberger Ltd. (SLB, USD 62,09, Performance seit Jahresbeginn -26,0 Prozent), Halliburton (HAL, USD 41,77, -22,78), National Oilwell Varco Inc. (NOV, USD 32,02, -14,5 Prozent), Baker Hughes Inc. (BHGE im Besitz von General Electric (GE), USD 51,09, -13,1 Prozent) sowie Weatherford International PLC aus der Schweiz (WFT, USD 3,42, -31,5 Prozent) dürften zu den Hauptprofiteuren zählen

Text: Radovan Milanovic

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