Die globale Nachfrage nach dem Euro steigt weiter

Im Juni konnte der Euro zum USD rund +1,3 Prozent zulegen (Kursrückgang seit Jahresbeginn -1,6 Prozent). Solch grosse Kursbewegungen zwischen den wichtigsten Hart- und Cross-Währungen innerhalb einer kurzen Zeitperiode weisen auf wichtige fundamentale Entwicklungen hin. Gleich zwei gewichtige Faktoren stehen heute im Fokus der Devisenmärkte:

  • Pro Euro: Die Aussage des EZB-Präsidenten Mario Draghi, die Tiefzinspolitik bis mindestens bis 1. Semester 2020 beizubehalten bestätigt die Weiterführung der lockeren Geldpolitik der europäischen Zentralbank. Während die Ökonomen von einer Zinssenkung bis Ende 2019 ausgegangen sind. Im Hinblick der Korrektur des erwarteten BIP-Wachstums um +0,1 Prozent in 2019, bei implizierten CPI-Erwartungen von +1,3 Prozent (vorgängig +1,2 Prozent) sind Einschnitte auf Zinsseite nicht mehr angebracht; ja sie sprechen für die Stabilität des EUR
  • Pro USD: Auch die US-Notenbank, die Fed, sieht sich mit höheren Wachstumserwartungen konfrontiert, obwohl die Ökonomen davon ausgegangen sind, dass die Handelshemmnisse zwischen den USA und den wichtigsten Handelspartnern wie China und der EU die US-Konjunktur massgeblich negativ beeinflussen würden. Doch die US-Konjunktur zeigt sich weiterhin robust. Für die US-Notenbank ist somit defensives Handeln angesagt. Eine rasche Zinssenkung ist somit auch aus Sicht der Notenbank ausgeschlossen und spricht – zumindest kurzfristig – für den USD
Die globale Nachfrage nach dem Euro steigt weiter
Quelle: pixabay.com, Creator: geralt

Die EZB untermauert die Bedeutung des Euro

● Der Anteil des Euro an den weltweiten Devisenreserven stieg 2018 um 1,2 Prozentpunkte
● Auch als Emissionswährung von Schuldverschreibungen gewann der Euro an Bedeutung, während seine Rolle als Fakturierungswährung stabil blieb.
● Politische Maßnahmen zur Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) tragen wesentlich dazu bei, dass die internationale Verwendung des Euro weiter zunimmt.

Entgegen der in den letzten Jahren beobachteten Tendenz hat die Gemeinschaftswährung im Jahr 2018 und Anfang 2019 international an Bedeutung gewonnen. Dies ist eine der wesentlichen Erkenntnisse des heute von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Berichts über die internationale Rolle des Euro („The international role of the euro“).

Der Anteil des Euro an den weltweiten Devisenreserven lag Ende 2018 nach Bereinigung um Bewertungseffekte durch Wechselkursveränderungen bei 20,7 %, was einem Anstieg um 1,2 Prozentpunkte gegenüber dem Wert von 19,5 % zum Jahresende 2017 entspricht. Die internationale Rolle der Gemeinschaftswährung im Hinblick auf Schuldtitelemissionen und Einlagen hat ebenfalls zugenommen, ebenso wie ihr Anteil am Wert der ausstehenden internationalen Buchkredite. Die Verwendung als Fakturierungswährung blieb weitgehend stabil. Gleiches gilt für Lieferungen von Euro-Banknoten an Länder außerhalb des Euro-Währungsgebiets.

Seit seiner Einführung vor 20 Jahren konnte sich der Euro ununterbrochen nach dem US-Dollar als weltweit am zweithäufigsten genutzte Währung behaupten. Allerdings verlor er nach der internationalen Finanzkrise an Bedeutung. Nachdem 2016 ein Tiefpunkt erreicht war, hat die internationale Verwendung des Euro in der jüngsten Vergangenheit wieder etwas zugenommen (siehe Abbildung).

Quelle: EZB

Abbildung Gesamtindex der internationalen Rolle des Euro (in %; zu aktuellen Wechselkursen und zu Wechselkursen am Ende des 4. Quartals 2018; gleitender Vierquartalsdurchschnitt)

Der Bericht liefert Hintergrundinformationen zu einer von der Europäischen Kommission im Dezember 2018 eingeleiteten Initiative zur Stärkung der internationalen Rolle des Euro. Ebenso wie die Europäische Kommission betont auch das Eurosystem, dass die internationale Bedeutung der Gemeinschaftswährung hauptsächlich dadurch gefördert werde, dass im Zuge der Durchführung einer soliden Wirtschaftspolitik im Eurogebiet eine Vertiefung und Vervollständigung der WWU, darunter auch die Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion, erreicht wird.

„Das Eurosystem unterstützt diese Politik und hebt die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen zur Vervollkommnung der Wirtschafts- und Währungsunion hervor“, so EZB-Präsident Mario Draghi. EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré äußerte sich wie folgt: „Eine solide Wirtschaftspolitik sowie eine vertiefte und vervollständigte Wirtschafts- und Währungsunion dürften die internationale Rolle des Euro letztendlich stärken und überdies zu einer reibungslosen Transmission der Geldpolitik in den Finanzmärkten des Eurogebiets beitragen. Insbesondere ist es angesichts der noch immer bestehenden nationalen Fragmentierung der Kapitalmärkte in Europa erforderlich, den Finanzsektor besser in die Lage zu versetzen, zur Stabilisierung und Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft des Eurogebiets beizutragen.“

Die Erhöhung der Kreditqualität ausstehender Schuldtitel, vor allem durch die Verfolgung einer soliden und tragfähigen Finanzpolitik, würde das Ziel, das Angebot an sicheren Euro-Schuldtiteln und die Attraktivität der Gemeinschaftswährung zu erhöhen, unterstützen. Dieses Ziel könnte längerfristig auch dadurch erreicht werden, dass – einen entsprechenden Beschluss der Mitgliedstaaten vorausgesetzt – gemeinsame sichere Staatsschuldtitel für das Eurogebiet geschaffen werden, ohne dadurch die Anreize für eine solide nationale Wirtschaftspolitik zu schwächen.

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