Deutsche setzen zur Wertabsicherung auf das Gold

Steigen die Börsen, fällt die Nachfrage nach Gold. So geschehen in den vergangenen Wochen. Mit einem Kurs von USD 1.276.45 pro Unze (21:45 h MESZ) notiert es auf dem tiefsten Stand seit Januar. In den vergangenen Wochen fehlte es an Gründen für einen höheren Goldpreis wie politische Krisen oder fallende Aktienmärkte. Kam dazu, dass sich die mutmasslichen Erfolge der amerikanisch-chinesischen Handelsgespräche negativ auf den Goldpreis auswirkten. In Kombination mit tiefen Anleiherenditen stieg die Risikobereitschaft der Anleger nach risikoreicheren Anlagen wie zyklische Aktien, New Economy Papiere und Krypto-Währungen. Gründe also, welche gegen das Absicherungs- und Krisenmetall, das Gold, sprachen. Vorerst.

Gold in 2019: Rekordhohe Goldproduktion und kursstützende Faktoren

S&P Global Market Intelligence erwartet für 2019 eine rekordhohe globale Goldförderung von 109,6 Mio. Unzen (2018: 1o7,3 Mio. Unzen). Credit Suisse ist aus makroökonomischen Gründen positiv für das Gold gestimmt und sieht für das Gesamtjahr 2019 einen durchschnittlichen Unzenpreis des Goldes von USD 1.280. Die CS geht aus geopolitischen Gründen wie den US-/China-Handelsverhandlungen und dem Brexit von einer steigende Nachfrage und somit einer soliden Preisentwicklung aus.

Hohe Bereitschaft der Deutschen zu Gold-investitionen

Die neue Gold-Studie von ReiseBank und CFin – Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin zeigt eine anhaltend hohe Bereitschaft der Deutschen, in Gold zu investieren. Kein Wunder – die Zufriedenheitswerte sind unverändert hoch.

    • Goldbestand im Besitz deutscher Privatpersonen hat 2019 mit mehr
      als 8.900 Tonnen einen neuen Höchststand erreicht und beträgt
      damit rund 2,5-mal so viel wie der Bestand der Bundesbank, der
      nahezu gleich geblieben ist
    • Deutsche (Privathaushalte und Bundesbank) halten 6,5 Prozent der
      weltweiten Goldvorräte – das entspricht einem Würfel mit einer
      Kantenlänge von rund 8,6 Metern und einem Gegenwert von derzeit
      mehr als 450 Milliarden Euro (Goldpreis vom 15. April 2019, 11
      Uhr, 1.137 Euro die Fein-Unze)
    •  38 Prozent der Deutschen (26 Millionen) besitzen Gold in Barren-
      oder Münzform als physische Wertanlage
    • Im Süden Deutschlands besitzen die Bundesbürger die größten
      Anlagegoldbestände
    • Gold macht den Anleger zufrieden: 91 Prozent derjenigen, die je
      Gold erworben haben, sind mit ihrem Investment zufrieden. Dieser
      Zufriedenheitswert ist auf einem gleich bleibend hohen Niveau
    • 82,5 Prozent wollen ihr Gold behalten, 78 Prozent planen, noch
      mehr Gold zu erwerben
    • Für die Käufer spielt bei der Auswahl eines Goldhändlers die
      Frage der Gewährleistung (geprüftes Gold) eine entscheidende
      Rolle
    • Der Anteil des gesamten Goldvermögens der Deutschen macht nur
      rund 1,6 Prozent des Gesamtvermögens der deutschen Haushalte
      aus
ReiseBank-Goldstudie 2019 belegt: 38 Prozent der Deutschen (26 Millionen) besitzen Gold in Barren- oder Münzform als physische Wertanlage. Quelle: obs/ReiseBank AG

Der Wert der Goldanlagen, die die Deutschen besitzen, liegt inzwischen aufgrund von Zukäufen und des Anstiegs des Goldpreises bei mehr als 450 Milliarden Euro. Das ist eines der Ergebnisse der Studie, die das CFin – Research Centers for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der ReiseBank durchgeführt hat. Die ReiseBank ist einer der umsatzstärksten Edelmetallhändler der Republik und versorgt neben dem Vertrieb in den eigenen Geschäftsstellen unter anderem rund 850 Finanzinstitute der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken mit Edelmetallen.

Die Studie “Goldinvestments 2019: Indikatoren, Motive und Einstellungen von Privatpersonen” hat zum Ziel, die Höhe des Goldbesitzes, die Nutzung von Gold als Anlage sowie die Motive und Einstellungen zu Gold in der deutschen Bevölkerung zu erfassen und zu analysieren. Dafür wurde der Bestand an privaten physischen und wertpapierbezogenen Goldinvestments und Goldschmuck betrachtet. Zusätzlich wurden alle Ergebnisse nach regionalen sowie einkommens- und vermögensbezogenen Kriterien ausgewertet. Die Studie wurde inzwischen das sechste Mal durchgeführt und erlaubt somit eine Betrachtung im Zeitverlauf. Für die repräsentative Studie wurde eine Befragung bei 2.000 volljährigen Bundesbürgern durchgeführt.

Ein Würfel mit einer Kantenlänge von 8,6 Metern

Würde man den kompletten Goldbesitz der deutschen Privathaushalte und der Bundesbank zusammen in einen Würfel packen, hätte dieser gerade einmal eine Kantenlänge von 8,6 Metern. Ein Würfel mit einem Wert von mehr als 450 Milliarden Euro (Goldpreis vom 15. April 2019, 11 Uhr, 1.137 Euro die Fein-Unze). Dabei ist der Goldbesitz der Deutschen gegenüber dem Jahr 2016 nochmals um rund 250 Tonnen auf mehr als 8.900 Tonnen angestiegen, während der Goldbesitz der Bundesbank (3.370 Tonnen) nahezu unverändert geblieben ist. Der größte Teil des Goldes in der Hand von Privatpersonen wird in der Form von Goldmünzen oder -barren gehalten. Dieser Anteil hat gegenüber 2016 um 220 Tonnen auf 4.925 Tonnen zugelegt, was einem Gegenwert von mehr als 180 Milliarden entspricht.

Im Schnitt 69 Gramm in Münzen oder Barren

Jeder Deutsche über 18 Jahre besitzt im Schnitt 58 Gramm Goldschmuck und 71 Gramm Gold in Form von Barren oder Münzen. Dabei gilt, dass im Süden der Republik deutlich mehr physisches Gold in den Tresoren liegt als im Osten. Während in Bayern und Baden-Württemberg 89 Gramm Anlagegold auf die Einzelperson kommen, sind es in den neuen Bundesländern gerade einmal 55 Gramm. Die Westdeutschen kommen hier auf 74 Gramm, die Norddeutschen auf 60 Gramm. Dabei haben die Ostdeutschen im Vergleich zu 2016 am deutlichsten zugelegt. Sie lagen im Vergleichszeitraum 2016 nur bei 45 Gramm.

Für mehr als 4.000 Euro Gold gekauft

In den vergangenen beiden Jahren haben 25 Prozent der Befragten angegeben, Anlagegold gekauft zu haben und sie haben dabei durchschnittlich 4.730 Euro investiert. Gut die Hälfte der Anleger hat sich dabei für Barren erwärmt (46,5 Prozent klassische Goldbarren und 4,7 Prozent Tafelbarren), ein gutes Drittel setzt auf die optisch meist schöneren Goldmünzen. Der Zahl der Goldkäufer steht eine deutlich geringere Zahl gegenüber, die ihr Gold veräußert haben. Das waren in diesem Zeitraum nur 11 Prozent.

Bei der Wahl der Einkaufsstätte spielt Vertrauen eine große Rolle

Wenn es um den Einkaufsort geht, so ist die Zahl derer, die online eingekauft haben, kaum gestiegen. Unverändert gilt, ein Viertel kauft inzwischen nur noch über das Internet. Für 62 Prozent bleibt der Goldkauf ein Vorgang, den man in seiner Bank oder bei einem Edelmetallhändler physisch vor Ort abwickeln möchte. Vornehmlich risikobereite und spekulative Anleger sind es, die eine höhere Online-Affinität aufweisen. Dabei legen die potenziellen Goldbesitzer bei der Wahl der Einkaufsstätte großen Wert darauf, dass sie Gold erhalten, das hinsichtlich seiner Echtheit geprüft wurde. Drei Viertel der Befragten sagen, dies sei ihnen sehr wichtig bzw. wichtig.

Vier von fünf Goldbesitzern wollen ihr Gold auf jeden Fall behalten

78 Prozent der Käufer von Gold geben an, auch weiterhin welches erwerben zu wollen und die Zahl derer, die angibt, das Gold behalten zu wollen, ist gegenüber den Vorjahren nochmals angestiegen auf nunmehr 82,5 Prozent – was die Funktion des Goldes als Wertsicherungsinstrument deutlich unterstreicht.

ReiseBank hat 2018 mehr als 32 Tonnen Gold bewegt

Die ReiseBank ist einer der umsatzstärksten Edelmetallhändler der Republik und vor allem im institutionellen Bereich gut positioniert. Im Jahr 2018 wurden mehr als 32 Tonnen Gold bewegt; das entspricht mehr als 1 Million Unzen. Im vierten Quartal 2018 stieg zusammen mit dem Interesse auch der Goldkurs in Euro um rund zehn Prozent. Die ReiseBank profitierte damit vom weltweiten Trend einer gestiegenen Edelmetallnachfrage.

(ots)

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