Deutsche Exporte wachsen trotz starkem Euro

Des einen Freud, des andern Leid

Einige potente europäische Gesellschaften profitieren vom tieferen Euro, da sie einen erheblichen Umsatz ausserhalb Europas tätigen. Bekanntermassen verbilligt eine tiefe (EUR-) Heimwährung die Exportgüter, da diese meist in USD fakturiert werden. Eine starke Exportwirtschaft fährt Gewinne ein und fördert unseren Wohlstand. Doch Kritiker wenden ein, dass die importierten Rohstoffe bei einem schwachen Euro teurer werden. Doch die westlichen Industrieländer veredeln die Rohstoffe. Ob sie aus importiertem Kakao Schokolade oder aus Bohnenkaffe Nescafé oder aus Eisenerz / Metallrollen Autos produzieren. Das Zauberwert heisst Wertschöpfung, also der Prozess der Wertvermehrung der Rohstoffe. Je höher der Entwicklungsstand einer Volkswirtschaft, desto weniger Rohstoffe werden für die Produktion gleichartiger Güter benötigt. Somit kann der Wert der Exporte steigen, bei gleichviel oder gar weniger Input an Rohstoffen. Zudem benötigt der Ausbau und die Modernisierung moderner Technologien immer weniger Rohstoffe.

Deutsche Exporte steigen und steigen

Im September 2017 stiegen die Exporte um +4,6 Prozent (p.a.) auf EUR 110,4 Mrd. Die Aussenhandelsbilanz wies einen gar Überschuss von EUR +24,1 Mrd. auf. Der Vergleich zur Gesamt-EU zeigt die deutsche Wirtschaft eine Lokomotiv-Funktion: Wachstum der Exporte von EU-Mitgliedsländer in andere EU-Länder im gleichen Zeitraum: +3,3 Prozent, in Länder ausserhalb der EU-Zone (nur) +1,7 Prozent.

Hauptexportgüter Deutschlands: Kraftwagen und Kraftwagenteile EUR 228 Mrd., Maschinen EUR 170 Mrd., EUR 107 Mrd. Chemische Erzeugnisse, DVA-Geräte sowie elektrische und optische Erzeugnisse EUR 101 Mrd., Elektrische Ausrüstungen EUR 76 Mrd., Pharmazeutische und ähnliche Erzeugnisse EUR 71 Mrd…

Inflationserwartungen bereits da

Bei wirtschaftliche Überhitzung drohen Inflationsgefahren. Ein fallender Wechselkurs ist die Folge. Die Konsequenz: Importierte Güter werden teurer. Dies betrifft vor allem die Rohstoffe, insbesondere fossile Energieträger. Einzig die hohen Ölpreise, welche dann für die EU-Wirtschaft noch teurer werden könnten zu einer echten Gefahr werden. Kommt die Inflationsspirale in Bewegung, steigen auch die Löhne und somit die Produktionskosten noch mehr.

Inflation, Gift für die Wirtschaft

Erste Zeichen von Inflationserwartungen zeigen sich bereits. Bis jetzt hat der Euro noch nicht reagiert. Im Gegenteil, er strotzt vor Stärke. Doch wie lange noch? Fällt der Wechselkurs, drohen gleich von mehreren Seiten Gefahren: Teurere Rohstoffe für die Produktion (wenn auch im geringeren Masse relevant, sh. Charts 1 + 2), jedoch höhere Erdöl- und Gaskosten, steigende Löhne. Die Folge: Der Euro verliert an Wert.

Text: Radovan Milanovic
Datenquelle: Sämtliches Zahlenmaterial von “Statistisches Bundesamt” (Destatis)

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