Der Rubel, die vergessene Währung

Positive Noten und Russland- Prognosen durch die Weltbank

Die Weltbank spricht davon, dass das russische Wirtschaftswachstum im Zuge der globalen Wirtschaftsstärke im vergangenen Jahr an Momentum, ja Dynamik gewonnen habe. Steigende Löhne und eine stabile Arbeitslosigkeit stützte die Binnennachfrage. Die Exporte zogen an und verbesserten die Zahlungsbilanz. Nach einem durchschnittlichen Ölpreis von USD 53 / Fass in 2017 geht die Bank aufgrund ihrer globalen Wachstumserwartungen für 2018 von einem Barrel Preis von USD 56,00 für das laufende Jahr aus. Dieser Ölpreis dürfte wieder zu höheren Devisen-Einnahmen Russlands führen.

Wirtschaftsanktionen des Westens öffnen den Handel nach Osten

Nach dem Absturz der russischen Wirtschaftsleistung in 2015, hat sich diese bis 2017 wieder erholt (BIP Q1 +0,25 Prozent, Q2 +2,5 Prozent, Q3 +1,8 Prozent, alle im Vergleich zur Vorjahresperiode) und entwickelt – für das Gesamtjahr – auf ähnlichem Niveau wie die EU und die USA. Land und Wirtschaft haben sich mit den Handelssanktionen des Westens abgefunden und sich an die neue Situation angepasst. Statt Richtung Westen öffneten sich die Türen Richtung Osten. Sie führte zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) einer Art EU. Dieser Binnenmarkt mit Zollunion, der vorläufig die Länder Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Russland und Weissrussland angehören weist eine Bevölkerung von über 183 Mio. Einwohner, jedoch eine Fläche von 20,2 Mio. km2 (Deutschland 357.300 km2, EU 28: 4,3 Mio. km2) auf. Die Union hat bereits weitere Beitritts-Kandidaten wie die Ukraine (?), Usbekistan, die Mongolei, Aserbeidschan im Visir. Interessant, dass aufgrund der wirtschaftlichen Achse Russland – China auf der Liste zum Freihandelsabkommen als “mögliche Kandidaten” China, die EU, sowie Indien… aufgeführt sind.

Führt die Eurasische Wirtschaftsunion den Rubel als Zahlungsmittel ein?

Eigentlich logisch, dass in einem gemeinsamen Binnenmarkt mit Zollunion auch eine gemeinsame Währung verwendet werden sollte. Die russische Zentralbank sprach davon, bis 2035 in der EAWU und den GUS (Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion) den Rubel als Handelswährung zu etablieren, um Währungsrisiken zu senken und administrative Hürden zu umgehen. Schätzungen zufolge betragen die Rubel-Zahlungen der EAWU-Mitglieder untereinander umgerechnet rund USD 69 Mrd. USD. Im Zuge der Loslösung vom USD stieg der Rubelanteil an der Währungsstruktur der Gemeinschaft in den vergangenen sechs Jahren von 56 auf 75 Prozent, während der Anteil an USD von 35 auf 19 Prozent zurück ging. Trotzdem bestätigt die Eurasische Entwicklungsbank, dass der Dollaranteil im Aussenhandel immer noch knapp 70 Prozent beträgt. Mit der Ausweitung des Verrechnungs-Rubels soll diese westliche Abhängigkeit reduziert werden. Auch im Handel mit China zeigt sich die Aufweichung der USD-Abhängigkeit. Die EAWU und China verrechnen ihre Währungen bereits ohne Zwischenschaltung des USD.

Mit der Ausweitung des Einflussbereichs der russischen Währung, welche zusätzliche durch stark steigenden Goldbestände der russischen Nationalbank von rund 1.830 (USA 8.133, China 1.842) Tonnen an Vertrauen gewinnt, könnte der Rubel zu einem turnaround ansetzen.

Text: Radovan Milanovic

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