Der europäische Anleihemarkt unter dem Einfluss fallender Aktien

Die Zinsniveau eines Landes – oder im Falle der Euro-Zone Mitglieder – reagiert wie ein Barometer auf wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Denn diese wiederum haben Einfluss auf künftige Wachstumsaussichten. So geschehen am Montag. In der Folge verzeichnete der Aktienmarkt kräftige Abflüsse an liquiden Mitteln, was zu den tiefroten Tagesverlusten an den Aktienmärkten führte.

Auslaufen der Anleihekäufe der EZB dürfte ernste Konsequenzen haben

Die Entscheidungen der EZB, im Dezember 2016 ihre monatlichen Anleihekäufe zuerst von EUR 80,00 Mrd. dann auf EUR 60,00 Mrd. und ab Januar 2018 auf nur noch EUR 30 Mrd. bis mindestens Ende September 2018 zu reduzieren, dürfte einen grossen Einfluss auf künftige Bond-Renditen haben. Denn die Flut zur Finanzierung der Budget-Defizite kann nur durch höhere Risikoprämien vom Markt absorbierte werden.

Die Anleihekäufe durch Notenbanken wirken einerseits inflationsfördernd, doch die EZB konnte das Wirtschaftswachstum mittels dieser Aufkäufe das Wachstum der Euro-Zone um geschätzte 0,2 bis 0,8 Basispunkte pro Billion Euro Bilanzsumme schaffen. So die bisherigen Erfahrungen. Bis Ende September 2018 wird die EZB Bonds im Volumen von EUR 2,55 Bio. angehäuft haben.

Der Wirtschafts-Boom ist zweifelsfrei vorüber. Fällt das Ende der Anleihekäufe der EZB auf ein fallendes Wachstum der Euro-Zone Länder, besteht die Gefahr einer drohenden Deflation.

Renditen der Euro-Zone Staatsanleihen driften stark auseinander

Die prekäre Wirtschaftslage einiger EUR-Länder wie Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, … führten zu einem Eigenleben der Kursentwicklung nationaler Bonds. Nach Massgabe ihrer Budgetdisziplin, Gesamtverschuldung und Wachstums divergieren die Renditen der Euro-Zone Staatsanleihen sehr stark.

Schwacher Börsenmontag führte zu leichter Erholung der Anleihen

Die Risikoaversion der Aktienanleger hat in den meisten Fällen ein inverses Kursverhalten des Bondmarkts zur Folge. Untersuchungen der Kursentwicklung des US-Anleihemarktes und des S&P 500 zwischen 1927 und 2017 auf Monatsbasis zeigten bis 1987 keine verlässliche Aussagekraft des Korrelations-Koeffizienten mittels dem sich dem ein verlässlicher Zusammenhang zwischen dem Kursverhalten von Bonds und Aktien ableiten liesse. Denn die Korrelations-Koeffizienten schwankten zwischen -93 bis +86 Prozent. Ein negativer Korrelations-Koeffizient, also das umgekehrte Kursverhalten zwischen Aktien und Bonds, zeigte sich nur im Zeitraum von 18 Jahren. Doch ab 1988 wendete sich das Blatt. Möglicherweise durch die Anwendung der Modernen Portfolio Theorie und dem Aufkommen des automatisierten Handels dürfte der Markt zu klareren Regeln gefunden haben; der Korrelations-Koeffizient zwischen Aktien und Bonds weist seither ausschiesslich negative Werte auf. Dieser hat bis zum Spitzenwert von -93 angezogen, was auf ein beinahe 100 prozentiges umgekehrtes Kursverhalten der untersuchten Anlagemedien entspricht. Der aktuelle Wert von -0,48 hat sich am schwachen Börsenmontag bestätigt, indem die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen von Deutschland und Frankreich (je -1 Basispunkt), Italien und Griechenland (je – 5 BP) und Portugal ( -6 BP) ausnahmslos zurückgekommen sind.

Der Bondmarkt dürfte deshalb wieder mehr ins Blickfeld der Anleger geraten.

Text: Radovan Milanovic
Statistische Daten: European Commission, Eurostat

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