Der echte Wert des Bitcoin, die Bewertungsmethoden

Bewertung des Bitcoins nach der Côtes du Rhône-Theorie

Der Finanzinformationsdienst Bloomberg berichtete von einem genüsslichen Abendessen mit Wein (Côtes du Rhône) durch drei Ökonomen. Ziel des Zusammentreffens war die Bestimmung des “richtigen” Bitcoin (BTC)-Wertes. Schlussendlich einigten sie sich auf einen Preis zwischen USD 20,00 und USD 1.200,00.

Offensichtlich veränderte sich ihre Analysenwerte nach dem Grad des Blutalkoholgehalts durch ihren Weinkonsum. In eine ähnliche Richtung weist auch die Côtes du Rhône-Theorie hin. Für den BTC-Wert von USD 20,00 wandten sie die bekannte Quantitätsgleichung an: M x V = P x T (Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit = Preisniveau x Transaktionen) an. Sie gingen von folgenden Annahmen aus: P(reis des BTC in USD somit) USD 20,00 = M (16 Mio. BTC) x V (viermaliger Umsatz pro Jahr) / 1,2 Mrd. (Gesamtwert an Zahlungen in BTC).

Die besagten Ökonomen gingen von allzu persönlich vorgefassten Variablen aus. Der hohe Handelsumsatz an den BTC-Börsen ist bekannt und beträgt rund BTC 210 Mrd. pro Jahr. Die aktuelle Anzahl an BTC in Zirkulation beträgt 16,992,912 (= 17 Mio.). Die grosse Unbekannte ist der Gesamtwert an BTC-Zahlungen welcher sich kaum bestimmen lässt. Mangels Übersicht oder Kontrolle durch die Notenbanken kann dieses Volumen nur geschätzt werden. Sie ist jedoch für eine verlässliche Preisermittlung von grösster Relevanz. Der Wert von BTC 1,2 Mrd. an Zahlungen für den Zeitraum eines Jahres dürfte wesentlich zu tief gegriffen sein, da sie nicht nur Zahlungen in Handel und Industrie und Dienstleistungen, sondern auch Käufe / Verkäufe (Konversionen in und aus Fiat-Währungen) beinhalten. Die Verwendung realistischer Zahlen in der Gleichung wird somit zu einer völlig anderer Bewertung des BTC führen.

Bewertung des Bitcoins nach Massgabe der Renditeerwartungen

Hedge-Funds investieren nur in Anlagemedien von denen sie sich eine hohe Rendite erhoffen. In seiner bisherigen erfolgreichen Karriere als Funds Manager (Berkshire Hathaway) erwarb er nur konservative Werte wie Coca Cola (KO), Wells Fargo (WFC), Bank of America (BAC), Apple (AAPL)… Doch dann erkannte er, dass Bitcoins einen “riesigen Eigenwert” (huge intrinsic value) haben. Er investierte deshalb vergangenes Jahr USD 2,0 Mrd. in Bitcoin. Warren Buffet’s Methode der Berechnung “seines” Intrinsic Value-Ansatzes bleibt sein Geheimnis. Unter buffetbooks.com gibt er dieses jedoch (teilweise) preis. Im Falle von Bitcoin müssen jedoch etliche Paramenter geschätzt werden. Um es kurz zu machen: Warren Buffet investiert langfristig und erwartet von seinen Anlagen Jahresrenditen von 15 bis 20 Prozent. Ausgehend vom BTC-Kurs im Februar, seines mutmasslichen Kaufzeitpunkts, von USD 10.129,80 (heutiger Kurs USD 9.046,56) und seinen langfristigen Renditeerwartungen, ging Buffet mindestens von einem Jahresendkurs zwischen USD 11.498,00 und USD 11.953,00 und für Ende 2019 von USD 13.222.00 bis USD 14.344,00 aus.

Der Warenwert (=Reproduktionskosten) des Bitcoins

Das aktuell beliebteste Mining Gerät, der Antiminer S9 mit einer Hash Rate von 14 TH/s +/- 5 Prozent kostet mit dem PSU APW3 rund EUR 1.550,00. Für eine Dauer von 12 Monate entstehen folgende Mining-Kosten bei einen Energiebedarf von 1340 W und einem linear ansteigendem Schwierigkeitsgrad von 40 Prozent: Angenommene Stromkosten von EUR 0,12 / kWh (Energiekosten in 12 Monaten von EUR 1527,00) sowie Poolkosten von 1 Prozent (EUR 17,44). Den laufenden Aufwendungen steht ein Produktionsgewinn von EUR 200,36 gegenüber. Für die Zurverfügungstellung von Rechnerleistung werden dem Miner BTC 0,24065733 vergütet.

Aufgrund der Benutzung und der Wertverminderung wegen mutmasslicher Erhöhung des Schwierigkeitsgrads um 40 Prozent dürfte der Antiminer S9 nach 12 Monaten Betriebsdauer eine Abschreibung von 60 Prozent oder EUR 930,00 erfahren. Nach der Abschreibung des Mining Gerätes ergäbe sich nach 12-monatigem Mining ein Nettoverlust von EUR 729,64.

Das Break-even des Minings – ohne Abschreibung dieser Hardware – wird auf heutiger Preisbasis bei 2.919 Tagen erreicht, dürfte jedoch bei weiteren Anpassungen der Schwierigkeitsgrade weitaus höher ausfallen. Theoretisch – unter Annahme keiner weiteren Zunahme der Mining-Schwierigkeitsgrades – wird in 1.517 Tagen ein BTC-Wert gemint. Bei weiterer, linearer Anpassung dürfte dieser Wert erst in rund 3.000 Tagen (8,2 Jahre) erreicht werden. Der aktuelle Reproduktionswert eines BTC bei Verwendung eines Antiminers S9 14 TH/s dürfte somit zwischen EUR 7.500 und EUR 8.000 zu liegen kommen.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator:EivindPedersen

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