Der Aha-Effekt nach dem US-Börseneinbruch

Anziehende Zinsen bergen die Gefahr, das Wirtschaftswachstum abzuwürgen

Börsen wiederspiegeln die Erwartungshaltung der Investoren in ihre Anlagen und die Wirtschaft.

Die Tiefzinspolitik der Notenbanken hat ein erstes Opfer, die amerikanischen Börsen. Jahrelang sind die Finanz- und Kapitalmärkte mit Billiggeld versorgt worden. Ohne wichtige Indikatoren gebührend zu bewerten. Bill Gross von PIMCO (Pacific Investment Management Company, LLC), einer grossen Vermögensverwaltungsgesellschaft mit einem Investitionsvolumen von USD 1,69 Bio. (per 30. Sept. 2017) bemerkte eine Beziehungs-Anomalie zwischen den Zinserhöhungen des Fed und der Kursentwicklung des S&P 500. Bis zur Finanzkrise in 2007 als die Zinsentwicklung mehrheitlich den freien Marktkräften überlassen wurde, erkannte er folgende Gesetzmässigkeit der vergangenen 15 Jahre: Jedes Mal wenn die Fed Funds höher als das Nominalwachstum des BIP war, verloren Werte wie Aktien und Häuser an Wert.

US-Wirtschaft läuft – Arbeitslosigkeit auf Rekordtief, Ende der Wirtschafts-Stimulation in Sicht


Die beiden Zinserhöhungen im vergangenen Jahr bezweckten sowohl Inflation und Wirtschaftswachstum zu dämpfen. Das FOMC (Federal Open Market Committee) ging zum Zeitpunkt der letzten Zinsanhebung von einem BIP- (Bruttoinlandprodukt-) Wachstum von 2,5 Prozent für 2018 aus. Inzwischen sind die Wachstumserwartungen für das kommende Jahr auf 2,1 Prozent revidiert worden (und für 2019 von 2,3 auf 2,0 Prozent). Die Inflationserwartungen für 2018 liegen im Bereich zwischen 1,6 bis 1,7 Prozent, also unter der Höchst-Richtgrösse von 2,0 Prozent durch die US-Notenbank. Doch im Hinblick auf die neuen Arbeitsmarktdaten mit einer 17-jahres tiefen Arbeitslosigkeit von 4,1 Prozent, bei einer geschätzten Sockelarbeitslosigkeit von ca 3,0 Prozent, steigende Lohnkosten der Privatindustrie von +2,6 Prozent (in 2017), kann die anvisierte CPI-Richtgrösse kaum unterschritten werden. Insbesondere unter der Prämisse neuer, anstehender Zinserhöhungen des Fed.

Die Zeichen für eine Börsenkorrektur verdichteten sich von Tag zu Tag

  • Der Wert einer Währung reflektiert die wirtschaftlichen Erwartungen eines Landes. Ein Trend kann natürlich durch gesteuert (Förderung der Exporte) und mittels Kommentaren von Politikern (Finanzminister Mnuchin in Davos) noch verstärkt werden. Seit Jahresbeginn gab der USD zum EUR um 3,67 und in den vergangenen 12 Monaten um 15,7 Prozent nach, trotz ansehnlicher Realrendite (Rendite von 10-jährigen Staatsanleihen abzüglich Inflationsrate)
  • Für die USA mit ihrem chronischen Handelsbilanzdefizit ist ein schwacher USD ein Eigentor, denn die Importe werden teurer und schaffen importierte Inflation. Das Handelsbilanzdefizit hat sich im Dezember 2017 nochmals vergrössert. Nämlich um USD 1,6 Mrd. auf USD 71,6 Mrd. (+2,2 Prozent). Wohl konnten die USA ihre Exporte um USD 3,6 Mrd. auf USD 137,6 Mrd. steigern, doch die Importe nahmen um USD 5,2 Mrd. auf USD 209,2 Mrd. zu. Dass der Handel gar mit einem noch schwächeren USD rechnet, zeigt die Tatsache, dass die Lagerhaltung der importierten Güter im letzten Monat des vergangenen Jahres um 0,2 Prozent anstieg
  • US-Unternehmen nahmen in den vergangenen Monaten, beginnend mit dem Amtsantritt von Präsident Trump, erheblich weniger Auslandskredite auf. “Billige” Finanzierung von Investitionen durch US-Unternehmen im Ausland dürften sich wegen Währungsverlusten als Fehlentscheide erweisen. Denn solche Cross-Währungstransaktionen erweisen sich wegen der Kosten der “Währungsverischerung” oft als Nullsummenspiel, falls die Währungsrisiken abgesichert sind. Falls nicht, werden sie zum erheblichen Risikofaktor
  • Das Baugewerbe, der klassische Vorlaufindikator von Konjunkturpfhasen zeigt von allen Seiten Warnsignale: Einerseits gestärkt durch die hohe Beschäftigungsrate und die Lohnentwicklung der Amerikaner boomte der Immobilienmarkt für bestehende Wohnungen und Häuser. Die letzte Arbeitsmarktstatistik wies auf eine Rekordbeschäftigung im Baugewerbe hin
  • Es droht die klassische Immobilienblase: Steigende Marktzinsen führten dazu, das selbst die Banken Probleme mit der Refinanzierung ihrer ausgegebenen Hypotheken haben. Denn der Zinstrend zeigt klar Richtung Norden. Fazit: Käufer mit guter Bonität von Immobilen in den nordöstlichen Ballungszentren der Ostküste bezahlen jetzt im Durchschnitt für Hypotheken mit 30-jähriger Laufzeit bereits 4,41 Prozent ( +5 Basispunkte im Wochenvergleich), bei 15-jähriger Laufzeit liegen diese bei 3,85 Prozent. Die Hypothekenzinsen sind seit dem April 2011 noch nie so hoch gewesen. Die vergangene Woche brachte die Bestätigung dass der Immobilienboom zu Ende sein dürfte: Die Hypothekenanträge gaben 2,6 Prozent nach und fielen auf ein 10-monats Tief
  • Die Finanzierungsgesellschaften von Autokrediten und Fahrzeug-Leasings klagen über steigende Schuldnerrisiken. Anziehende Zinsen führen zu noch höheren Risiken. Bereits im Dezember 2017 stieg ihre Ausfallquote auf 9,7 Prozent aller ausstehenden Kredit- / Leasingverträge. Dies lässt klare Schlüsse auf die Bonität der Finanzierungsgesellschaften und im Umkehrschluss auf ihre Finanzierungsquellen (Banken, Finanzgesellschaften der Autoindustrie) zu. Die konjunkturanfällige Autoindustrie dürfte in der Folge die Produktion drosseln oder auf Halde produzieren

Text und Bild: Radovan Milanovic
Chart: Copyright U.S. Beareau of Labor Statistics
Statistische Quellen: US Census

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