Das schwächere Pfund, ein Segen für den britischen Tourismus

Der pragmatische UK-Pessimismus dürfte übertrieben sein

Dem National Institute Economic Review (NIESR) zufolge soll die britische Wirtschaft dieses und nächstes Jahr je knapp 2 Prozent wachsen. Die EU-Kommission  kommt zu völlig anderen Prognosen. Dieser zufolge soll das UK GDP in 2018 nur 1,3, bzw. 2019 nur um 1,1 Prozent wegen der Folgen des EU-Austritts steigen. Bei einem EU-Durchschnitt von 2,2 (2018) und 1.9 Prozent (2019). Brüssel begründet die negative Einschätzung mit dem Einbruch ausländischer Investitionen, dem Rückgang der Exporte und dem Sinken der Sparrate von 4,8 (2017) auf 4,2 Prozent in 2018.

Copyright: Economic Forecast by the European Commission

Entgegen den Ankündigen ist ein Crash des Britischen Pfundes ausgeblieben

Seitdem klar wurde, wie die Brexit-Abstimmung ausfallen würde, also bereits im Dezember 2015, setzte die Korrektur des GBP zum heutigen Minus zum EUR von 21,9 Prozent ein. Das Datum des Brexit-Referendums am 23. Juni 2016 bestätigte einzig die Prognosen. Interessant ist, das seit dem Juli 2016 der Rückgang zum EUR nur noch ca 3 Prozent beträgt. Diese Kursbewegungen zeigen wiederum, dass der Markt kommende Ereignisse vorweg einpreist.

Die neuesten statistischen Auswertungen der Regierung weisen darauf hin, dass im November 2017 genau 50 Prozent aller Exporte (total GBP 15,1 Mrd.) in die EU gingen. In der Vorjahresperiode waren es noch 39 Prozent. Ein klarer Hinweis, dass britische Exportindustrie vom tieferen Pfund profitiert. Zwar haben sich die Importe aus der EU auf 55 Prozent (GBP 22,7 Mrd.erhöht, sie liegen jedoch GBP 200 Mio. tiefer als im November 2016.

EUR/GBP (Euro / Britische Pfund Sterling) Währung

EUR/GBP (Euro / Britische Pfund Sterling) Währung Chart
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Der Tourismus dürfte in Grossbritanien in 2018 boomen

Die Tourismusindustrie reibt sich die Hände, denn die königliche Hochzeit im Mai 2018 wird der Industrie volle Kassen bescheren. Insbesondere, da die künftige Prinzessin eine Amerikanerin ist und einen Hauch von Hollywood nach Europa bringen wird. So kann das Königreich auch nach dem grossen Anlass für Besucherströme aus den USA rechnen. In Windsor und Umgebung sind bereits sämtliche Unterkünfte um das Heiratsdatum reserviert, London wird ebenfalls im grossen Masse profitieren, seien es Hotels, Transposrtunternehmen, Ladengeschäfte, Warenhäuser… Auch nach dem Ereignis dürfte es Kontinentaleuropäer dem günstigeren Pfund wegen zu vermehrten Shopping-Trips nach Grossbritanien ziehen.

In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Anzahl ins Königreich reisender Gäste jährlich um durchschnittlich fünf Prozent auf 39,9 Mio. Ankünfte. Gemäss der staatlichen Tourismusbehörde werden 2018 41,7 Mio. (+4,5 Prozent) Besucher gerechnet, welche GBP 26,9 Mrd. (+ 6,8 Prozent zum Vorjahr) ausgeben dürften. Aufgrund des königlichen Anlasses und des positiven Effektes des tieferen GBP sowie der guten Wirtschaftslage im EU- und im US-Raum, dürfte jedoch eher von 42,2 bis 42,5 Mio. Besuchern ausgegangen werden.

Text und Chart: Radovan Milanovic
Bild: pixabay

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