Das Massensterben der Schiffsfonds

Schiffsfonds lockten mit hohen Renditen

Eine Asset-Klasse gerät in Vergessenheit: Anlagen in Schiffe, meist in Form von geschlossenen Schiffsfonds . Bei der Zeichnung eines Schiffsfonds wird der Anleger Kommanditist und trägt als Mitunternehmer die Geschäftsrisiken “seines” oder “seiner” Schiffe, seien es Containerschiffe, Tanker oder Frachter. Üblich waren Verzinsungen des Kapitals von 8,00 bis 12,00 Prozent. Niemand wunderte sich, wie die Schiffsbetreiber die hohen Finanzierungskosten erwirtschaften können. Bereits sind rund 500 Schiffsfonds insolvent. Fast wöchentlich kommen neue Fälle dazu. Gute Geschäfte für Anwälte und Gerichte. Verlierer sind die Anleger. Denn in dem meisten Fällen sind die Investoren nicht über die Risiken der Anlagen informiert worden. Im Gegenteil, Beteiligungen an Schiffsfonds sind den Bankkunden als steuerbegünstigte und “sichere Anlagen” angepriesen worden. Die Einkommen der Schifffonds basierten jedoch meist auf dem Einkommen langfristiger Charterverträge. Doch was, wenn die Verträge vor Vertragsablauf gekündigt werden? Denn das Transportgewerbe ob zu Land oder zur See ist konjunkturabhängig. Kein Wort zu den Anlegern über mögliche Risiken eines Totalverlustes.

Schiffshypotheken, der Anfang vom Ende

Bis 2008 lockten hohe Renditen. Doch die Finanzkrise machte alle Träume zunichte. Der globale Handel brach ein, die Schiffskapazitäten wurden heruntergefahren, Charterraten fielen ins Bodenlose und viele Schiffseigner konnten ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Die Folge: Kapazitäten wurden abgebaut indem Fracht- und Containerschiffe auf den Markt geworfen wurden. Käufer waren keine in Sicht. Potente Reedereien nahmen die Krise zum Anlass, ihre Flotte mit neuen, grösseren Schiffen auszustatten. So konnten die Frachtraten erheblich gesenkt werden.

Auch die DZ Bank Gruppe mit grossen Verlusten im Schifffahrtssegment

Aber nicht nur Anleger stehen auf der Verliererseite. Die DZ Bank weist im Semester 2017 in dieser Sparte einen Verlust von EUR 532 Mio. aus. Nämlich Rückstellungen im Betrage von EUR 450 Mio. sowie eine Erhöhung der Risikobewertungen von EUR 131 Mio. Die Bank betont im Semesterbericht von “der schwierigen Marktsituation in maritimen Sektoren” sowie von Überkapazitäten, welche durch den tiefen Erdölpreis begründet sind. Die grossen Kreditreserven sollen mögliche Risiken abdecken. Offensichtlich möchte die DZ Bank die Geschäfte der Sparte Transportfinanzierung abbauen, denn das Kundenvolumen betrug am 30.06.2017 EUR 22,5 Mrd. (Vorjahr EUR 25,9 Mrd.).

Text: Radovan Milanovic

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