Das Erdöl im Fadenkreuz von politischen Risiken, steigendem Angebot und Aramco

Am Dienstagmorgen stieg der Barrel Preis der Sorte Brent um 4,5 Prozent auf über USD 70,00. Und es machte den Anschein, dass die Rallye in Anbetracht der politischen Spannung des Syrienkonfliktes weiter gehen würde. Mögliche Konsequenzen eines drohenden Wirtschaftskrieges mit China aus welchem zwei Verlierer hervorgehen würden standen ebenfalls im Raum. Doch am Nachmittag entspannte sich diese Situation. Dann fokussierten sich die Händler auch auf die schwierige Lage in Venezuela. China, welches bereits rund USD 62 Mrd. an Wirtschaftshilfe und Kredite nach Venezuela Land pumpte, wird – mangels Liquidität – mit der Abtretung von Gas- und Ölfeldern abgegolten. Mit dem wachsenden Einfluss erlangen die Chinesen mehr und mehr die Kontrolle über die Gas- und Erdölindustrie des Landes.

Steigendes Angebot und höhere Erdölreserven sollten Entspannung am Erdölmarkt bringen, sollten…

  • The American Petroleum Institute (API) gab höher als erwartete  US-Ölreserven bekannt. Dies lagen am 06. April bei 1,8 Mio. Fass. Die Analysten gingen von 1,6 Mio. Mio. Fass aus
  • Russlands Ölausstoss auf Rekordhöhe: Gemäss Russlands Energieministerium förderte die Industrie im März 46,4, Mio. Tonnen, verglichen mit 41,8 Mio. Tonnen im Februar
  • Bahrein entdeckte ein neues, gigantisches Ölfeld im Al-Bahrain Basin mit geschätzten Reserven von über 80 Mrd. Fass Öl und einem Gasfeld mit einem mutmasslichen Volumen von 10 bis 20 Bio. Kubik-Fuss. Vor diesem Fund betrugen Bahreins Vorräte nur noch 125 Mio. Barrel Öl
  • Die Anzahl aktiver Erdölfelder in den USA hat in den vergangenen 12 Monaten um 136 auf 808 (+ 20,2 Prozent) zugenommen, welche in der letzten Märzwoche 10,5 Mio. Fass / Tag förderten

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff

Brent Crude Rohöl ICE Rolling Rohstoff Chart

Steigender Ölpreis nicht gerechtfertigt

Politische Gründe verflüchtigen sich

Ein Handelskrieg mit den USA würde das Wirtschaftswachstum Chinas schwächen. Chinas Präsident XiJinping gab denn auch am Dienstag bekannt, die Zölle importierter Fahrzeug noch in diesem Jahr erheblich zu senken. Chinesischen Importzöllen auf ausländischen Autos von 25 Prozent stehen 2,5 Prozent Zölle der Amerikaner gegenüber. Mit dem Einlenken der Chinesen im Zolldisput bleiben – zumindest kurzfristig – “nur noch” die grossen Unwägbarkeiten des Syrien-Konfliktes als Risiko stehen.

Angebotsüberhang am Erdölmarkt

Höher als erwartete US-Erdölreserven, Russlands und US-Ölausstoss auf Rekordhoch, Entdeckung substanzieller Ölreserven im Nahen Osten, saisonale Faktoren deuten auf leicht schwächere Nachfrage der Industrieländer in den kommenden Monaten hin.

Der ware Grund des Ölpreisanstiegs

Aufgrund des zu starken Anstiegs des Crude Ölpreises zeigen die meisten Indikatoren überkaufte Werte. Einer Meldung von Bloomberg zufolge steht Saudi Arabien hinter dem Kursanstieg. Denn die Saudis wollen offensichtlich mit allen Mitteln den Fasspreis auf USD 80,0 hochtreiben, damit Aramco vor dessen IPO eine möglichst hohe Bewertung erreicht. Da die (Spekulations-) Positionen danach wieder glattgestellt werden, düfte mit einem Abtauchen der Brent-Fasspreises auf USD 65,0 – 60,0 gerechnet werden, bis der Markt zur Konsolidierung zurück findet.

Text und Bild: Radovan Milanovic

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