Crowdinvesting in grüne Start-ups

Der durch das Internet angetriebene digitale Wandel stellt die Finanzwelt komplett auf den Kopf: Mit neuen

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Finanzierungsformen wie dem Crowdinvesting (Schwarmfinanzierung) ändern sich altgediente Marktregeln. Wo früher ausschließlich kapitalstarke Investoren mitmischen konnten, erhalten heute auch Privatanleger mit begrenzten finanziellen Mitteln einen Marktzugang. Sinngemäß übersetzt bedeutet Crowdinvesting, dass eine Menge von Menschen gemeinsam in ein Projekt investiert. Davon profitieren auch grüne Start-ups. Durch die Investitionen der Crowd konnten sich bereits einige hoffnungsvolle  Start-ups etablieren, die durch ihr Handeln grüne, umweltschonende Alternativen erfolgreich am Markt anbieten. Für grüne Start-ups ist Crowdinvesting eine Alternative zu den in Europa rar gesäten klassischen Risikokapitalgebern. Für wen eignet sich Crowdinvesting und was müssen Privatanleger dabei beachten?

Versetzen wir uns erst einmal in die Sicht der Start-ups. Gerade zu Beginn der Gründung ist es für grüne Start-ups besonders schwierig, Investoren zu finden. Die meisten beginnen ihre Finanzierung im privaten Umfeld. Dies ist auch nötig, um Vertrauen aufzubauen. Nur wenige Business Angels wollen in Deutschland ein großes Risiko tragen – vor allem dann, wenn die Gewinnaussicht eher mittelmäßig als  phänomenal erscheint. Später dann, mit den ersten Kunden in der Tasche, einem erprobten Geschäftsmodell und dem Beweis, dass das grüne Start-up bereits erste Investoren überzeugen konnte, steigt die Chance, weitere Geldgeber zu beeindrucken und zu gewinnen. Grüne Start-ups genießen in der Crowd häufig den Vorteil, dass Crowdinvesting oft mehr von der Idee als von der Rendite-Erwartung klassischer Risiko-Kapitalgeber getragen wird. Ein weiterer Vorteil ist die Offenheit der Crowd für neue Ideen. Dennoch setzen laut der Studie “Deutscher Startup Monitor 2017” bisher nur 4,1 Prozent der einheimischen Start-ups auf Crowdinvesting.

Was ist Crowdinvesting?

Jeder Kapitalgeber leistet einen nur geringen finanziellen Beitrag im Verhältnis zum benötigten Gesamtkapital. So kann das Risiko auf viele Schultern verteilt werden. Im Gegenzug erhalten die Anleger eine Vergütung in Form von Geldleistungen: Der vorgestreckte Betrag, inklusive attraktiver Verzinsung, wird an den Investor zurückgezahlt. Die für Crowdinvesting interessantesten Branchen sind Immobilien, erneuerbare Energien und Start-ups. Je nach Plattform können Investoren entweder in Projekte oder Unternehmen investieren.

Über die Crowd etablierte grüne Start-ups

  • WeGreen startete 2013 mit einem Crowdinvestment über die Plattform Innovestment. Mit seiner Nachhaltigkeitsampel ist das grüne Start-up heute die größte Suchmaschine für nachhaltige Produkte.
  • tado hatte 2014 über 200.000 Dollar für seine smarte Heizungssteuerung über Kickstarter eingeworben. Heute beschäftigt das Münchner Start-up 80 Mitarbeiter.
  • Africa GreenTec hat bereits den Bau vieler Solarcontainer über unterschiedliche Crowdinvesting Plattformen finanziert, die der ländlichen Elektrifizierung dienen. Die Resonanz in TV und Presse ist enorm.
  • Sono Motors hatte letztes Jahr knapp 2 Millionen Euro über Seedrs eingeworben. Über WIWIN werden aktuell weitere Crowdinvestments eingeworben. Der Sion ist ein in Deutschland produziertes Elektroauto mit in die Karosserie integrierten Solarzellen und Sharing-Funktion.

Was muss man als Anleger beachten?

Anleger müssen sich bewusst sein, dass ein Investment in grüne Start-ups der Einsatz von Risikokapital ist. Crowdinvesting sollte nur mit einem vertretbaren Teil des eigenen Vermögens in eine umfassende Anlagestrategie eingebettet sein. Durch die kleinen Beträge lässt sich das Risiko jedoch streuen. Bei der Prüfung der Projekte helfen oftmals der gesunde Menschenverstand und Nachfragen. Der Großteil der ökonomischen Prüfung muss jedoch durch die jeweilige Crowdinvesting-Plattform selbst vollzogen werden. Deshalb ist es ratsam, die Erfolgsquote der Plattformen selbst zu hinterfragen. Der große Vorteil des Crowdinvestings ist, dass so zukunftsweisende Ideen unterstützt werden können.

Fazit

Für grüne Start-ups und ein Ergrünen der Wirtschaft durch Innovation ist Risikokapital erforderlich. In Deutschland jedoch liegen enorme Vermögen mit minimalen Zinsen auf staatlich abgesicherten Bankkonten. Dieses hohe Sicherheitsbedürfnis hemmt gesellschaftlich wichtige Innovationen und grünes Wachstum. Sowohl Privatanleger als  auch größere Investoren könnten durch höhere Risikobereitschaft zu einer nachhaltig sauberen Wirtschaft beitragen. Wer das Risiko dabei realistisch einschätzt und bewusst begrenzt, kann sich in den meisten Fällen über die positive Entwicklung seines eingesetzten Geldes und eine ansprechende Renditen freuen.

Thomas Schmitt

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