“circular economy”, das neue Entscheidungskriterium für Konsumenten und Anleger

Plastic Economy – das neue Unweltbewusstsein

Unilever spricht Klartext und nimmt sich des Problems der Verschmutzung der Meere mit Plastik-Abfällen an. Diese stammen mehrheitlich von Lebensmittel-Verpackungen. Einerseits helfen diese, die Lebensmittel kostengünstig frisch zu halten, doch leider verursachen solche Verpackungen grosse Umweltschäden. Die mutmasslichen Kosten, welche durch Plastikverpackungen entstanden sind, belaufen sich bereits auf rund USD 40 Mrd. Aktuell werden nur 14 Prozent des Plastiks wieder verwertet. Jährlich werden rund 8 Mio. Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren “entsorgt.” Die Kosten des Verpackungsmülls belasten die Weltwirtschaft jedes Jahr mit USD 80 Mrd. Gemäss der Ellen MacArthur Stiftung werden in 2050 in den Weltmeeren mehr Plastik als Fische vorhanden sein.

Unilever zeigt Farbe und Verantwortung

Der Nahrungsmittelkonzern kauft jedes Jahr rund 2,5 Mio. Tonnen Verpackungsmaterial, denn täglich benützen rund 2 Mrd. Kunden weltweit ein Unilever Produkt. Unilever beteiligt sich mit anderen Unternehmen am Konzept der “circular economy” (Kreislaufwirtschaft), einem Wirtschaftsmodell, bei dem kein Abfall anfällt (oder anfallen soll). Der Visionär dieser Bewegung, die Ellen MacArthur Foundation, bezweckt einen Gesinnungswandel durch Politik, Wirtschaft und Konsumenten, nach dem sämtliche Güter nach deren Gebrauch oder Verbrauch in den Wirtschaftskreislauf zurück geführt werden. Unterstützer und Mitglieder dieser Stiftung, welche nach den Stiftungszielen arbeiten, haben sich unter “The Circular Economy 100” zusammen geschlossen. Diese unterteilen sich in die fünf Kategorien:

  • Gesellschaften: Global aktive Gesellschaften, welche sich aktive an der “circular economy” beteiligen
  • Pioneer Universitäten: Internationales Netzwerk höherer Bildungsinstitute welche innovatives Research, Entwicklung im Sinne von “circular economy” fördern oder solche Lernprogramme anbieten
  • Emerging Innovators: Innovative Firmen mit global einmaliger Technologie, um einen erfolgreichen Beitrag am CE100 zu leisten. Üblicherweise handelt es sich um Gesellschaften im Aufbau mit einem Umsatz von weniger als USD 20 Mio.
  • Affiliates: Diese setzen sich für eine Stärkung und Ausweitung der “circular economy” ein
  • Regierungen und Städte: Ihre Vorbildfunktion sollen für Wirtschaft und Bürger ein Zeichen setzen

“circular economy” ergänzt die Label “nachhaltige Produktion” und “Bio”

Das neue Umwelt-Label für nachhaltiges Naturbewusstein dürfte für Konsumenten ein neues Kriterium beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen werden. Noch sind erst wenige europäische Gesellschaften Partner der Ellen MacArthur Foundation. Unter den global Players befinden sich Barilla, BASF, Danone, DSM, H&M, IKEA, Michelin, Nestlé, Philips, Renault und Unilvever. Zu den Produzenten von “circular economy” Verpackungsmaterial gehören Borealis, DOW, Du Pont, Henke und Siegwerk.

Unilever identifiziert sich bereits mit “circular economy”

Ab 2025 sollen sämtliche Produkte des Lebensmittel-Multis  entweder wiederverwendbar, -verwertbar oder kompostierbar verpackt sein. Seit 2010 hat Unilever den Anteil des Verpackungsmaterial-Mülls um 28 Prozent reduziert. Unilevers Chief R&D Officer, David Planchard, will die Problematik des Verpackungsmülls als wichtigste Priorität seiner Gesellschaft mittels systematischer Lösungen angehen, damit solche Stoffe gar nicht erst in unsere Gewässer gelangen.

Unilever-Aktien im aktuellen Börsenumfeld

In Zeiten unrealistischer Umsatz- und Gewinnerwartungen von Cyber-Economy Vertretern führen Nahrungsmittel-Aktien wie Unilever und Nestlé ein Eigenleben, denn ihre Bewertungen basieren auf klassischen, konventionellen Grundlagen. Nachhaltigkeit bei Produktion und der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur werden für Konsum- und Investitionsentwcheide immer wichtiger. In Zeiten von Kursübertreibungen sollten Aktien vergleichbarer Industrien der “Old Economy” im direkten Vergleich betrachtet werden. Beschränken wir uns deshalb auf die Gegenüberstellung wichtiger Rendite- und Bewertungskriterien:

  • Aktueller Kurs Unilever EUR 48,65 (Nestlé EUR 73,41)
  • Kursperformance vergangene 12 Monate Unilever+31,0 (Nestlé +20,7) Prozent
  • Unilever Umsatzrentabilität 9,2, ROI 15,2 (Nestlé 10,2, 7,4) Prozent
  • Unilever KGV 22,8 (Kurs / Gewinn), Kurs / Cash Flow 15,8, Dividendenrendite 3,0 Prozent (Nestlé 25,6, 15,8, 3,0 Prozent)

Text: Radovan Milanovic

Das könnte Sie auch interessieren: