Brüssel blickt auf die Wahlen in Italien

London’s Buchmacher melden seit Tagen unveränderte Quoten für die Parteien, welche im italienischen Unterhaus, der grossen Kammer (Camera dei Deputati) am 04. März 2018 die meisten Sitze erringen sollen. Die Sieger sollen demnach die Bewegung M5S (MoVimento 5 Stelle) mit einer Quote von 2/7, gefolgt von der PD (mit 5/2), der Forza Italia (20/1) und der Lega Nord (25/1) heissen. Die Wahlen werden nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa zielweisend sein.
Die europaskeptische, grüne 5-Sterne-Bewegung, welche sich bis vor kurzem gegen den Euro als Einheitswährung einsetzte, führt auch in den neuesten Umfragen mit einem voraussichtlichen Stimmenanteil von 28 bis 29 Prozent. Die Wahlgewinner werden nicht ohne Koalitionspartner regieren können und als drittstärkste Volkswirtschaft grossen Einfluss auf die Stabilität der Eurozone ausüben. Dank der starken italienischen Wirtschaft beträgt ihre Verschuldung von ca. EUR 2,3 Bio. “nur noch” rund 130 Prozent des BIP. Ein gutes Zeichen, wenn nicht die EZB (Europäische Zentralbank) planen würde, ihre Stimulierungsprogramme herunter zu fahren und die Nullzinspolitik zu beenden. Die höheren Kosten der Schuldenfinanzierung des Staates und der Wirtschaft werden nicht nur Italiens Wachstum dämpfen.

Italienische Börsen im Zeichen der starken Wirtschaft

Mit einer Zugewinn von 4,0 Prozent seit Jahresbeginn lässt der italienische Leitindex FTSE MIB andere wichtige europäische Indices wie den Euro Stoxx 50 (-2,7 Prozent), den FTSE (Grossbritanien -6,0 Prozent), den DAX (Deutschand -4,1 Prozent), den AEX (Holland -3,4 Prozent), den  ATX (Österreich -0,3 Prozent), den SMI (Schweiz -4,7 Prozent) oder den IBEX 35 (Spanien -2,4 Prozent) weit hinter sich.

Die gesuchtesten Einzeltitel erwiesen sich im Jahresvergleich der typische Exportwert wie Fiat Chrysler Automobile ( +64,7 Prozent) und wegen der Tiefzinspolitik natürlich die Finanzbranche mit  Intesa Sanpaolo (+45,4 Prozent), UniCredit (37,0 Prozent), Exor(+36,1 Prozent),… Dieses Bild dürfte sich ändern, da in Italien fällige Sektorrotationen auch ohne Einfluss der Wahlen stattfinden werden. Gerade die Banken dürften in den kommenden Monaten – wie in der übrigen EU schon gesehen – zu den Underperformern gehören.

Die Wahlen in Italien dürften den Investoren als Trigger dienen, um auf Sicherheit und solide Substanz- und / oder Dividendenwerte wie Diasorin (Dienstleistungen), Autogrill (Hotel und Gastronomie), ENEL (Versorgung), A2A (Versorgung), Prysmian (Elektro), Terna (Versorgung) oder Parmalat (Konsum) zu setzen.

Text: Radovan Milanovic

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