Boomende Konjunktur und September Stresstest – kein Widerspruch

Psychologie und Herdentrieb, die wichtigen Börsen-Faktoren

Ausser mit wenigen Tech-Werten gab es dieses Jahr für die Investoren wenig zu feiern. Die meisten Indices, deren Hauptkomponenten Old Economy Vertreter sind, brachten nur Frust: DAX (obwohl als Total Return Index, Erlöse wie Dividenden eingerechnet werden) -7,5 Prozent, Euro Stoxx 50 -6,2 Prozent, AEX – 1,9 Prozent, ATX -4,7 Prozent, CAC 40 -1,5 Prozent, …SMI -5,7 Prozent. Denn in diesem Jahr laufen die Uhren anders. Sowohl in den USA, als auch in Europa. Während das Gewinnmomentum der grossen Techs zumeist noch gegeben ist, ist zumindest kurzfristig, die Stimmung an den Börsen gekippt.

Boomende Konjunktur und September Stresstest

Wichtige Faktoren für die Entwicklung sind die Psychologie und der Herdentrieb des Börsenumfeldes, angefangen von Analysten, Funds Managern, Händlern und nicht zuletzt von den Investoren. Die Angst vor dem September Stresstest begann bereits in den letzten Augusttagen, wobei die Techs mit ihren besten Performances zu den grossen Verlierern gehörten. Börsianer begründen ihre Kommentare mit Statistiken: Seit 1950 verlor der Dow Jones Industrial Average (DJIA) im Durchschnitt -0,8 und der S&P 500 -0,5 Prozent.

Externe Faktoren, die Wachstumskiller

Nach der Überhitzung der Aktienmärkte – insbesondere der Techs – setzte die lang erwartete Korrektur ein. Die vorgeschobenen Gründe sind bekannt. Argentinien mit ihrer desolaten Wirtschaft, die Illiquidität und hohe Verschuldung, die Handelssanktionen gegen die EU, US-Zölle auf USD 200 Mrd. chinesischer Importe… müssen solche Gründe als Erklärungen für nachgebende Börsen hinhalten. Nicht zu Unrecht. Denn die Börsen antizipieren die Zukunft und mit ihr die künftigen Gewinnentwicklungen der Unternehmen. Offensichtlich feiert die Politik den Wirtschaftsboom, während eine steigende Anzahl Puzzle-Teile zur Vorsicht mahnen. So dürften die steigenden US-Zinsen, kombiniert mit Zöllen, welche die Importe der grössten Handelspartner (China, EC, Kanada) verteuern, das Wachstum der US-Wirtschaft abkühlen und mit ihm die Nachfrage nach Gütern aus diesen Ländern. Mit der Verteuerung des USD als Konsequenz der Save Haven Kapitalflüsse aus Weichwährungen verteuern US-Güter zudem bereits. Währungsbedingte Kostensteigerungen von (US-)Produkten können kurzfristig wohl zu Lasten der Profitabilität abgefedert (=nicht weitergegeben) werden. Doch mittelfristig ist dies nicht möglich.

Midterm Wahljahre – statistisch schwache Börsenjahre

Zwischenjahre von US-Präsidentschaften sind für Wirtschaft und Konjunktur von grösster Wichtigkeit. Sie weisen den Weg für die Fiskal- und Aussenpolitik, welche Auswirkungen auf das künftige Wachstum haben. Sollten die Republikaner bei den Kongresswahlen am 6. November die Mehrheit im Repräsentantenhaus an die Demokraten verlieren, ist die künftige US-Wirtschaftspolitik kaum einzuschätzen. Denn der republikanisch dominierte Senat dürfte in einem solchen Fall nach den Wahlen kaum in der Lage sein, die wichtigsten Punkte der wirtschaftsfreundliche Politik des Präsidenten durch beide Kammern zu bringen.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: PIX1861

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