Börsen sehen Rot: Sommerloch mit viel Bad News

Gigantische Verteidigungsausgaben können nur mittels Steuern finanziert werden

Europas Politiker werden sich immer mehr der Folgen eines näher rückenden Handelskrieges bewusst. Und bereits droht neues Unheil: Streitpunkt sind und bleiben die geforderten 2 Prozent BIP-Verteidigungsausgaben der NATO-Mitglieder. Bei einem Bruttoinlandprodukt von ca. EUR 3,3 Bio. wären dies für Deutschland EUR 66 Mrd. Ausgehend von einer anvisierten Zielgrösse von 1,5 Prozent der Bundesregierung (aktuell 1,24 Prozent), rechnet diese in 2024 mit Verteidigungsausgaben von EUR 60 Mrd., was einem durchschnittlichen jährlichen BIP-Wachstum von 4,5 Prozent für den Zeitraum von 2017 bis 2024 entsprechen  würde. In den vergangenen 10 Jahren betrug die BIP-Zunahme jedoch rund die Hälfte dieses Wertes. In Anbetracht unwägbarer Export-Handelshemmnissen und steigender Zinsen dürfte das BIP-Wachstum in den kommenden sieben Jahren eher zwischen 1,0 und 1,5 Prozent zu liegen kommen.

Der Dienstag begann mit viel Rot in Asien…

…setzte seine Verlustserie in Europa fort…

…und beendete den verlustreichen Tag auf dem amerikanischen Kontinent

Zusätzliche Zölle auf USD 200 Mrd. auf China- Exporten in Prüfung

Sollten weitere USD 200 Mrd. an Importgütern aus China mit US-Strafzöllen belegt werden, wird die Retourkutsche aus dem Reich der Mitte postwendend folgen. Klar ist, dass das Wirtschaftswachstum klassischer Industrieländer in Europa und Asiens stark ausgebremst wird. In den USA stellen Analysten bereits Szenarien vor, wie amerikanische Unternehmen durch die Zölle profitieren und US-Steuerzahler entlastet werden. Im besten Falle stünden Kosten im Betrage von USD 120 Mrd., fiskalische Entlastungen sowie Stimulierungspakete von rund USD 800 Mrd. gegenüber.

Die Gewinnerwartungen der Unternehmen werden nach unten revidiert

Erstaunlicherweise erfasste die Kaufwelle am Dienstag die Aktien sämtlicher Branchen und führte zu Verlusten von Old und New Economy Vertretern gleichermassen. Dazu kam die politische Komponente, welche dem USD zusetzt. Seit dem 20.06.2018, also der beginnenden Zuspitzung der gegenseitigen Drohungen um Zölle, verlor der USD zum EUR 1,3 Prozent seines Wertes (auf 1,1730).

Tiefere erwarteten Gewinne führen zu Bewertungskorrekturen an den Aktienmärkten. Es ist gut möglich, dass diese Entwicklung bereits eingesetzt hat. Falls dem so ist, dürfte sich der Rückgang der Aktienmärkte akzentuieren. Saisonal bedingt, gehen die Umsätze an den Börsen während den Sommerferien stark zurück. Aktienverkäufe werden deshalb kaum durch Käufe absorbiert werden, was auch die Markttechniker alarmieren wird. Ihre Analysen dürften in den kommenden Tagen für richtig viel Bad News sorgen.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: geralt

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