Bitcoin und die Angst vor dem FOMO

Nach dem kometenhaften Kursanstieg des Bitcoin (BTC) während der vergangenen sieben Tage um +37,6 Prozent auf ein Tageshöchst von USD 8.175 (1 Monat + 30,0 Prozent) überschlagen sich die „Experten“ im Bitcoin, die wichtigste KryptowährungHinblick auf die Kursprognosen des Bitcoin. Der neueste Versuch, den Bitcoin logisch und plausibel zu bewerten, stammt von Mark Yusko, dem Gründer von Morgan Creek Capital Management: Er vergleicht den Bitcoin mit dem Edelmetall Gold und bezeichnet ihn als das „neue Gold.“ Auf diese Weise kommt er dazu, die Gesamt-Kapitalisierungen beider Werte zu vergleichen. Anlässlich seines Interviews, am 23. April 2019 betrug der Wert des bis anhin geförderten Goldes rund USD 7,4 Bio. Ausgehend von maximal 21 Millionen BTC ergäbe sich ein rechnerischer BTC-Wert von USD 400.000, ja gar USD 500.000 innerhalb der kommenden 10 Jahre. Mark Yusko führt im Interview mit BlockTV Eigenschaften ins Feld, welche zusätzlich für diese Krypto-Währung sprechen. Nämlich den einfacheren Transport (Transferierbarkeit) und Aufbewahrung sowie die leichtere Unterteilbarkeit.

FOMO, das neue Zauberwort in der Krypto-Welt

Die grenzenlose BTC-Euphorie deutet auch auf das Phänomen FOMO (Fear of the Missing out) hin, also die Angst der Investoren, das ideale Kauftiming zu verpassen. Denn ein ganzes Bündel an Gründen trieb den Bitcoin zu neuen Jahres-Höchstwerten.

Die Eskalation des Handelskrieges zwischen den USA und China…

…wird das Weltwirtschaftswachstum trüben. Der bisherige Höhepunkt des Tarifstreits quittierten die US-Börsen mit ihren schlechtesten Tagesperformance in diesem Jahr (S&P –2,77 Prozent, Nasdaq -3,46 Prozent), was einen Vorgeschmack auf das Börsensentiment europäischer Börsen von morgen Dienstag gibt. Bereits heute Montag kamen europäische Märkte unter Druck (CAC 40: – 1,22 Prozent, DAX -1,52 Prozent, AEX -1,20 Prozent, SMI – 1.16 Prozent, ATX Prime -1,27 Prozent).

Der CBOE VIX, also der Angstbarometer der beiden Indices S&P 500 und Nasdaq, stieg am Montag um 28,12 Prozent auf 20,55, bzw. 32,20 (!) Prozent auf 25,25. Diese Werte bedeuten für die – zumindest kurzfristige Börsenentwicklung – unmittelbare Rückschlags-Potenziale. Für institutionelle Anleger ergibt sich ein Anlagenotstand, denn die hohen künftigen Gewinnerwartungen, insbesondere der New Economy Titel dürften sich nicht erfüllen, was zu Kurskorrekturen führen wird. Was liegt da näher, als auf den Zug der Krypto-Währungen aufzuspringen?

Google-Trends zeigt die steigende Popularität nach Krypto-Währungen

Immer mehr Kleinanleger entdecken digitale Währungen, allen voran den Bitcoin als Anlagealternativen. Seit der einflussreiche (und weltweit grösster?) Vermögensverwalter Fidelity Investments ankündigte, mit Bitcoin zu handeln, sind die Türen für weitere kapitalkräftige Investoren.

Bitcoin-Kursentwicklung vom 07. Mai bis 14. Mai 2019 (logarithmische Kursentwicklung)

Quelle: coinmarketcap.com

Bitcoin-Shorteindeckungen lösten eine Flut von (Glattstellungs-) Käufen aus

Mit dem Überschreiten der BTC-Kurse um USD 5.700 (bis USD 6.200) und der wichtigen Widerstandslinien bei USD 6.000 und dann bei USD 6.400 setzten umfangreiche Shorteindeckungen ein, welche das Kursfeuerwerk weiter antrieben. Ausgehend vom prognostizierten Halving-Preis um den 09. Juli 2019 von USD 6.837 durch finanzmag.com weist der BTC aktuell bei Kursen von USD 8.083 eine aufdiskontierte Prämie von +18,2 Prozent auf.

Chartisten interpretieren den Kursverlauf mit der parabolischen Kurve

Die Optimisten sehen nächste Kurse zuerst bei USD 8.036, gefolgt von der magischen Marke von USD 10000 und dann bei USD 20.000, also dem Allzeithoch in 2018. Doch in Anbetracht der stark überkauften Situation und des überbordenden Kurs-Rallye ist eine gesunde Portion Skeptizismus angesagt. Tatsächlich weist der starke Anstieg (Krümmung) der Parabol-Kurve der vergangenen Tage auf Tagesbasis auf ein mögliches Korrekturpotenzial hin. Parabolische Kurven lassen sich je nach Grad des Optimismus / Pessimismus des technischen Analysten auf ein „lift-off“ (Fortsetzung des Rallyes im gleichen Rahmen) oder auf einen „blow-off“ (scharfer Kursrückgang) interpretieren.

Text und Bild: Radovan Milanovic

 

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