Bildet sich beim GBP eine Bärenfalle?

Der Markt redet das britische Pfund schwach

Im schwächeren politischen und wirtschaftlichem Umfeld haben die Händler und Investoren leichtes Spiel mit der britischen Währung. Aber werden nicht einige negativen Argumente übertrieben? In der Tat sprechen folgende Gründe gegen die Währung:

  • Auswirkungen des Brexits auf die britische Wirtschaft wie Rückzug von Teile der Finanzindustrie aus der City (of London), möglicher Rückgang des Handels mit der EU. Künftige Wirtschafts-Beziehungen mit der EU dürften sich im Stile der Schweiz/EU mittels bilateraler Verträge abzeichnen. Die Wirtschaftsbeziehungen zu den USA dürften enger werden
  • Währungen und Börsen wiederspiegeln Hoffnungen  und Erwartungen der Potenz einer Volkswirtschaft und deren Leistungsträger (Gesellschaften). Doch inwieweit reflektiert der aktuelle Kurs des GBP den fairen Wert der britischen Währung? Ist das GBP nicht zum reinen Spielball des Handels geworden?
  • Aufgrund der besonderen Beziehungen mit den USA erscheint es sinnvoller, gewisse Konjunkturindikatoren beider Länder zu vergleichen, als wie bisher den Vergleich mit der EU als Ganzes oder einzelner Volkswirtschaften im Verbund zu betrachten:  a) Bruttosozialprodukte 1. Quartal 2017 (Q1 2017) USA +1.4 Prozent, UK + 0.2 Prozent, b) Arbeitslosigkeit Q1 USA +4.3 Prozent, UK + 4.6 Prozent.

EUR/GBP (Euro / Britische Pfund Sterling) Währung

EUR/GBP (Euro / Britische Pfund Sterling) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

Fallendes Handelsbilanzdefizit, das Resultat der schwächeren Währung und kränkelnder Wirtschaft

Das Handelsbilanzdefizit von GBP 3,9 Mrd. (März) bildete sich im April auf GBP 2.1 Mrd. zurück. Vor allem die Importe gaben im Monatsvergleich um 3.5 Prozent nach. Ein Indiz für den schwachen Inlandskonsum. Denn der Kursverfall des britischen Pfundes verteuere die Importe erheblich. Und dies bei einem fast unverändertem Wachstum der Wirtschaft in Kombination mit hoher Arbeitslosigkeit.

Mental und kulturell stehen die Briten den Amerikanern nah. Dies zeigt sich klar in den Aussenhandelszahlen. Denn ihr grösster Aussenhandels Partner ist nicht mehr die EU. In 2016 gingen nur noch 44 Prozent (GBP 240 Mrd.) ihrer Güter und Dienstleistungen in die EU. Bei den Importen zeigt sich ein ein anderes Bild: 53 Prozent aller Importe kamen aus der EU. Doch dieser Anteil schmolz leicht in den vergangenen Jahren. Nur zwischen Jahr 2000 und 2007 war die EU Grossbritaniens wichtigster Handelspartner.

Der Handel mit den USA wird immer dominanter. Bei einem beinahe ausgeglichener Bilanz von Güter und Dienstleistungen. Die Defizite im Handel mit den USA sind seit 2015 nur marginal (2015: USD -1.9 Mrd., 2016: USD -1.0 Mrd., erste vier Monate 2017: USD -420.3 Mio.). In den Jahren 2012 bis 2014 ergaben sich gar Überschüsse zu Gunsten der USA. Im Zuge der “American First Politik” der neuen US-Regierung dürften die Briten mit ihrer Handelsbilanz mit den USA – diesbezüglich – kaum Kritik ernten.

Das nachgebende Pfund dürfte der britischen Industrie im globalen Handel einen kompetitiven Vorteil gegenüber den EUR-Mitkonkurrenten erbringen. Nach einem Prozess des Schrumpfens, könnte der Währungsvorteil in Kombination mit Innovation, Effizienz- und Produktivitätssteigerungen der Wirtschaft wieder Schwung bringen.

Text: Radovan Milanovic

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