Bankenbranche schrumpft und steht vor Fusionen

Branche steht vor kostspieliger Neuorientierung

Die pessimistische Stimmung für Bankwerte scheint kein Ende zu haben. Obwohl sich die Finananzinstitute dank der Nullprozent-Politik der Notenbanken mit Gratiskapital bedienen konnten, nahmen diese ihre Chancen nicht wahr, um ihre Rentabilität zu verbessern. Denn tiefe Zinsen helfen, das Eigenkapital auf eine gesunde Basis (Debt / Equity Ratio) zu bringen (diese Gelegenheit haben die meisten Institute verpasst). Denn mit tiefen Zinsen lässt sich im Kreditgeschäft “nichts” verdienen. In der Zwischenzeit setzen Online-Banken konventionelle Institute zusätzlich unter Druck, ihre Kosten weiter zu senken. Eine Restrukturierung folgt der nächsten, trotzdem fällt die Profitabilität weiter.

Die Unternehmensberatung Bain & Co. geht in einer Studie gar davon aus, dass sich jede vierte Bank Europas in kritischem Zustand und vor dem Ende stehen dürfte. Die Zunahme des Kostendrucks stehen Mindereinnahmen im Tagesgeschäft gegenüber.

Immer neue Reguierungen, höhere Eigenkapitalanforderungen zur Abfederung von Bad-Loan Risiken (faule Kredite, Immobilienrisiken, Junk Bonds…), hohe Kosten der Digitalisierung sowie die Entwicklung, die immer breitere Anwendung der Blockchain-Technologie in Kombination sowie der Druck aus Brüssel, den Bargeldverkehr durch (kontrollierbare) Online-Zahlungssysteme zu ersetzen, werden die Banken zu halbautomatisierten “Gebilden” mit kleinem Mitarbeiterbedarf transformieren. Der Beinahe-Wegfall rückwärtiger Dienste (Back-Office) aufgrund der Anwendung neuer Technologien wird in den kommenden Jahren zu weiterem unabsehbarem Stellenabbau führen.

Keine Gründe, um in Bankenwerte zu investieren

Damit stellt sich die Frage, wer denn überhaupt noch Bank-Aktien in seinem Portefeuille hält. Zu ihnen zählen – zeitweise – Hedgefunds, welche sich dank den Kursfluktuationen eine goldene Nase verdienen. Aber auch institutionelle Anleger wie Investment-Funds, insbesondere Index-Funds und ETFs. Diese sind gezwungen, ihren Benchmark – je nach Anlagerichtlinien – nahezu oder vollständig zu applizieren. An der heutigen Kapitalisierung des DAX von EUR 1,148 Bio. ist die Deutsche Bank mit EUR 19,875 Mrd. (1,73 Prozent de DAX-Marktwertes) und die Commerzbank mit EUR 11,919 Mrd. (1,04 Prozent) vertreten. Fällt der prozentuale Gewichtung der Banken am Benchmark, werden solche institutionelle Anleger auch weiter Banken-Werte veräussern. Auch die Charttechnik zeigt für die Deutsche Bank, stellvertretende für deutsche Institute, nur nach Süden.

Globales Finanzwerte unter Druck – Weitere Bankenkonzentrationen und Fusionen in Sicht

Deutschland

  • Deutsche Bank: Experten warnen im Worst Case Szenario vor einer Zerschlagung der Bank, Gerüchte um eine Fusion mit der Commerzbank machen die Runde (wo Rauch ist, ist auch Feuer) und dürfte sich konkretisieren
  • Commerzbank: Ertragswachstum auf tiefem Niveau, hohes “Italien-Risiko” in den Büchern, Frage, ob die Kosten zum Totalumbau in die neue Bankenwelt aufgebracht werden können

Schweiz

Volkswirtschaftlich sind die Banken in der Schweiz mit 124.00 Angestellten ein wichtiger Arbeitgeber und wichtiger Part der Wirtschaft, tragen sie doch rund 6 Prozent zum BIP (Bruttoinlandprodukt) bei. Unter Analysten und Strategien macht mehr denn je das Thema einer “Superbank” die Runde. Ein Szenario, bei dem sich die beiden grossen, die UBS (Bilanzsumme Umsatz CHF 915,6 Mrd., 61.253 Mitarbeiter Ende 2017) und die Credit Suisse (CHF 820,6 Mrd, 48.200) zu einer Bank fusionieren. Die Agentur Bloomberg berichtete bereits im April 2018 von Plänen eines gemeinsamen Back-Office. Der CEO von CS, Tidjane Thiam, gab sogar bekannt, auszuloten, ob gemeinsame IT-Einrichtungen wie Server und Datenspeicher möglich sind. Wenn das keine Anzeichen für eine völlige Neuorientierung des Bankensektors in der Schweiz sind?

Text und Bild: Radovan Milanovic

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