Autoindustrie im Umbruch – Kostensenkung und Kampf um Märkte

Im Kampf um Absatz und Marktanteile melden die grossen Autobauer fast täglich neue Massnahmen zur geschäftlicher Neuausrichtung

Nur einige Meldungen der Autoindustrie der vergangenen vier Tage:

  • Die Schliessung der Produktionsstätte in der Industriestadt Gunsan durch General Motors (GM) in Korea während der olympischen Winterspiele versetzte die betroffenen Arbeiter und die Gewerkschaften in Schock. Ankündigungen des CEO Mary Barra, unrentable Betriebe zu schliessen, gehören bereits zur Routine. Obwohl der Schritt “nur” 2.000 Arbeiter betrifft, welche eine Jahresproduktion von 36.400 einer Gesamtproduktion von 520.000 Fahrzeugen in Korea herstellen, ist der Schritt ein weiteres Zeichen um für weitere Preiskämpfe gerüstet zu sein. Denn GM hat bereits Niederlassungen in Indien, Russland, West Europa und Südostasien stillgelegt oder veräusserst. Der grösste US-Autohersteller konzentriert sich auf den Wachstumsmarkt China, wo er das grösste Potenzial sieht. Bereits jetzt ist China der grösste Absatzgebiet für GM
  • VW: Ab 2012 wollen Porsche und Audi in der Entwicklung und Produktion von e-Fahrzeugen zusammen arbeiten
  • Mercedes bestätigt, ab 2019 nicht mehr an die Autoshow in Detroit zu kommen, um ihre neuesten Modell in Zukunft individuell zu präsentieren
  • Fiat’s Sergio Marchione warnte die Autobauer, sich auf seine eigene Stärken zu konzentrieren oder im Massenmarkt unterzugehen
  • GAC Motors, einer der am schnellsten wachsende chinesische Autohersteller will in 2019 mit verschiedenen Modellen wie dem Sportwagen GS8, dem Luxus-Van GS8 SUV sowie dem GA4 Sedan mit ihren Tiefpreisen den amerikanischen Markt erobern. Die Chinesen rüsten bereits seit längerem ihre US-Basis auf und planen auch eine Produktionsstätte in den USA
  • Die britische Autoindustrie leidet wegen dem Brexit einen Absatzschwund von 3 Prozent im vergangenen Jahr auf 1.67 Mio. Fahrzeuge. Aus diesem Grunde haben die grossen (Toyota und Jaguar Land Rover) ihre Investitionen bereits in 2017 um 34 Prozent auf EUR 1.24 Mrd. gekürzt. Obwohl nur ca. 20 Prozent der Produktion exportiert werden, konnte die Branche nicht vom tieferen Pfund profitieren. Da die Briten bezüglich alternativer Antriebe nicht sehr innovativ sind, dürften die Exporte einbrechen. Ihrer Autoindustrie droht harte Zeiten. Sie dürfte wegen dem technischen Entwicklungsstand asiatischer und europäischer Hersteller immer mehr an Boden verlieren

Investoren in Autowerte sind in den vergangenen Jahren verwöhnt worden,…

…doch was bringt die Zukunft?

  • Autowerte sind neben Anlagen in die Bauindustrie die am meisten zyklisch ausgerichteten Investitionen: Fällt die wirtschaftliche Stimmung, überlegt sich der Autobesitzer, ob er sein Fahrzeug nicht noch ein, zwei oder mehrere Jahre benützt, statt ein neues Auto zu erwerben
  • Forschung und Entwicklung (R&D – Research and Development) der Autoindustrie werden immer kostspieliger und mit ihnen fallen die Gewinn-Margen. Im Moment jagen R&D-Kosten in kosmische Höhen Zwischenzeitlich können Billigproduzenten mit “zweitneuester”-Technik den Markt fluten und die Endpreise aufwirbeln
  • Die Bestätigung dieser Entwicklung zeigt das Investoreneinkommen (Total Shares Revenue, der TSR) von Autoaktien, bestehend aus den Kursgewinnen, den Dividenden, Anrechten und weiteren Ausschüttungen der Gesellschaft. Da nur der breiter gefasste Index des S&P 500 umfassendes und verlässliches Zahlenmaterial aufweist, kann dieses auch als Beispiel für andere Märkte angewandt werden. Innerhalb der vergangenen fünf Jahren betrug der TSR des S&P 500 von Aktien der Fahrzeugindustrie nur 5,5 Prozent bei fallender Tendenz, verglichen mit dem TSR des Gesamtindexes von 10,1 Prozent
  • Aktionäre von Autowerten werden mit hohen Dividendenzahlungen verwöhnt. Traditionell schüttet die Branche hohe Dividenden aus. Das Payout Ratio, also die Höhe der Ausschüttung an die Aktionäre, gemessen am Gesamtgewinn, ist bei Autowerten sehr hoch. So haben die Branchenvertreter des S&P 500 im 4. Quartal 2017 im Durchschnitt gar 25,5 Prozent mehr an die Aktionäre ausgeschüttet, als sie verdient haben, im 3. Quartal waren es immerhin 15.3 Prozent. Denn in den beiden Quartalen sind die Gewinne pro Aktie – im Vergleich zur Vorjahresperiode – um 59,7, bzw. 80,7 Prozent eingebrochen. Um die Aktionäre bei der Stange zu halten wurden somit die zu viel bezahlten Dividenden durch Reserven finanziert

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