Auch in Frankreich sind die Butterpreise ausser Kontrolle

Butterpreise werden in Frankreich zum Politikum

Viele Butterregale in Frankreichs Supermärkten sind halbleer. Im Gegensatz zum Stillschweigen der Behörden in Deutschland und Österreich auf die hohen zweistelligen Preiserhöhungen der Butter in diesem Jahr muss Frankreichs Landwirtschaftsminister, Stéphane Travert, die Wogen der Entrüstung glätten.

Noch am 24. Oktober beschwichtigte der Minister seine Landsleute, dass “der Mangel an Butter” nicht von Dauer sei. Nein, Handel und Vertrieb würden das Angebot künstlich verknappen. Wörtlich: “Es gibt keinen Mangel”… Am 31. Oktober tönte es anders. Schuld seien die Konsumenten. Sie würden aus Angst vor einem Buttermangel Hamsterkäufe tätigen.

Preisentwicklung der Butterpreise

Wahre Gründe für den beispiellosen Preisanstieg des Butters

Butterpreise werden unter Produktionskosten angeboten

Die Vereinigung der Milchbauern des Rhonetals fordern einen “fairen Butterpreis” und zwar EUR 3,00 pro 250 Gramm (Kilopreis von EUR 12,00). Denn der jetzige Preis würde keinesfalls die Milch sowie Arbeit und Produktionskosten zur Herstellung der Butter entsprechen.

Den Bauern werden in Frankreich durchschnittlich EUR 340 pro 1000 Liter Milch vergütet (EUR 0,34/Liter). Aus 22 Liter Milch kann 1 kg Butter produziert werden (reine Milchkosten pro Kilo somit EUR 7,48). Die Vergütung an die Butterproduzenten beträgt jedoch nur EUR 6,200/Tonne. In Frankreichs Supermarktketten beträgt der Preis für ein Kilo Massenbutter heute EUR 7,20 (+71 Prozent in 12 Monaten).

Das Dilemma der französischen Landwirtschaft: Die Abschaffung der Milchquoten erhöhte zwar das Milchangebot, reduzierte jedoch die staatlich verordneten Milchpreise im Oktober um EUR 0,01 zum Vormonat. Bei Preisen unter EUR 0,40/Liter arbeiten die meisten Bauern nicht kostendeckend und können sich keine Investitionen leisten. Mehr Milchkühe erhöhen wiederum Druck auf die Milchpreise. Ein Teufelskreis.

Steigende Nachfrage nach Milch und Milchprodukten absorbiert das Milchangebot

Aus Rentabilitätsgründen produziert Frankreichs Milchindustrie weniger Butter.  Mit der Produktion von Käse, Sahne und Joghurt lässt sich – im Gegensatz zu Butter – eine hohe Wertschöpfung erreichen. Während die Butterpreise unter den unter den Gestehungskosten des Basisproduktes, der Milch, liegen. Die schnell wachsende Mittelklasse Asiens – insbesondere Chinas – kommt immer mehr auf den Geschmack westlicher Essenskultur. Wie Milchprodukte und teures (Butter-)Gebäck.

Bäcker bieten Croissants unter Gestehungspreis an

Frankreichs Kulturgut, das “Croissant” wird langsam unbezahlbar. Da die Bäckereien die hohen Butterpreise nicht auf die Croissant-Preise  abwälzen können, produzieren sie einfach nur so viel, um sie im Sortiment zu halten. Ein Croissant enthält genau 25 Prozent Butter. Frankreichs Verband der Bäckereibetriebe rechnet vor, dass bereits ab einem Butterpreis von EUR 5,37 die Croissants für die Bäcker ein Verlustgeschäft sind. Trotz der durchschnittlichen Preiserhöhung der Croissants von EUR 0,89 auf EUR 1,85 innerhalb der vergangenen 12 Monate.

Text: Radovan Milanovic
Bildquelle: LID.ch (Landwirtschaftlicher Informationsdienst)

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