Aramco schafft sich sein optimales IPO Timing

Dank hohen Ölpreisen steigt der Wert von Aramco – je höher der Öpreis, desto mehr bringt das IPO

Am 30. November 2017 findet das nächste OPEC-Meeting in Wien statt. Saudi Arabien hat bereits angekündigt, seine Produktionskürzungen zu verlängern (und Russland hat vor, nachzuziehen). Ein cleverer Schachzug um den Wert von Aramco zu optimieren.

Der Wert eines Erdölförderers misst sich hauptsächlich an der Bewertung der “mutmasslichen und geprüften Reserven” sowie dem “explorierbaren Öl und Gas”. Je höher der Marktpreis von Öl (und Gas), desto höher der Substanzwert von Aramco.

Analysten gehen davon aus, dass Saudi Arabien den Wert von Aramco mit mindestens USD 2 Bio. bewertet, basierend auf einem Spotpreis von USD 60 pro Fass. Bis zur Aktienplatzierung sollte der Preis des schwarzen Goldes deshalb hoch gehalten werden. So schliesst sich der Kreis. Bei einer Kotierung von 5 Prozent der Gesellschaft dürften dem Staat somit bis USD 100 Mrd. einbringen.

Die Börsenplätze von New York, London, HongKong und Tokio reissen sich um die Notierung von Aramco-Aktien. Sind die Papiere von Aramco an einer Börse gelistet, untersteht die Firma den freien Marktkräften. Das OPEC-Mitglied Saudi Arabien kann dann den Ölpreis nicht mehr durch Verknappung des Angebots beeinflussen. Denn dann gelten solche Vereinbarungen als Kartellabsprachen.

Saudi Arabiens Nachbarn haben schon vorgesorgt

Dubai sorgte vor, für die Zeit nach dem Versiegen der Ölquellen. Das Emirat bildete Kapital, welches clever in Infrastruktur, Tourismus und den Aufbau eines Finanzzentrums investierte wurde. Der weltweit grösste Gasproduzent, Katar, akkumulierte dank Einnahmen aus Erdgas- und Erdölverkäufen ein Fonds-Kapital für seine Bürger von USD 335 Mrd. (Stand Mitte 2017). Die Qatar Holding LLC investiert weltweit und diversifiziert seine Anlagen in verschiedenste Branchen. …für die “Zeit danach.”

Preisentwicklung des Erdöls fundamental nicht erklärbar

Um den Ölpreis zu stabilisieren und hochzutreiben, reduzierte Saudi Arabien seine Ölexporte seit März 2017. Im Oktober exportierte das Land nur noch 6,68 Mio. Fass pro Tag. So wenig wie seit 79 Monaten nicht mehr. Seit dem Jahrestief von USD 42,70 stieg der Spotpreis für Crude Oil auf USD 58,98 pro Barrel, bzw. USD 63,71 mit Fälligkeit Dezember. Dies, obwohl die USA vom Ölimporteur zum -exporteur geworden sind. Das Land hat noch nie in seiner Geschichte so viel Öl exportiert wie dieses Jahr. Im September 2017 alleine 772 Mio. (August 893 Mio.) Fass pro Tag. Dazu kommen die steigenden Exportraten von Iran und Irak. Im September exportierte Irak 3,9 Mio. (höchste Exporte seit Dezember 2016) und Iran 2,3 Mio. Barrel pro Tag. Soviel wie Februar 2017 nicht mehr. Alleine schon die beiden Länder haben durch ihre steigenden Ausfuhren den Minderexport Saudi Arabiens längst kompensiert. Kommt dazu, dass der – bisher – milde Winter in Europa im Vergleich zu den Vorjahren eine bedeutend tiefere Nachfrage nach Heizöl generiert. Es fällt auch auf, dass die globale Ölreserven stark angestiegen sind.

Falls Venezuela, das Land mit den grössten Ölreserven, wieder im vollen Umfang ihrer Kapazitäten Öl exportiert, dürfte es mit der Solidarität der Limitierung der Ausfuhren durch OPEC-Mitglieder vorbei sein. Zur Zeit liegen deren Exporte bei nur 1,2 Mio. Fass täglich, dem tiefsten Stand seit 1989 (bei damaligen Exporten von rund 4 Mio. Barrel pro Tag).

Mittelfristige Nachfrage nach Erdöl wird zurück gehen

Frankreich und Grossbritannien wagen sich aus dem Fenster und verkündigen bereits das Verbot für Verbrennungsmotoren für 2040. Aufgrund der Macht der Autohersteller und der grossen Zahl von Arbeitsplätzen hat Berlin bis jetzt noch kein konkretes Ausstiegsdatum genannt. Dies hat auch damit zu tun, dass Technik und Industrie noch meilenweit davon entfernt sind, die Republik flächendeckend mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu versorgen. Ganz abgesehen davon, dass unsere mobile Gesellschaft auf ein Auto angewiesen und Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotoren für den Durchschnittsbürger heute noch fast unerschwinglich sind. Von den rund 46 Mio. Fahrzeugen in Deutschland befinden sich erst ca. 0,09 Prozent (rund 40,000 Einheiten) mit alternativen Hybrid- ode Elektroantrieb. Doch die Grünen setzen Druck auf: Ein Gerichtsurteil ebnet bereits den Weg für ein kommendes Fahrverbot für ältere Dieselautos in Stuttgart. Bereits 2014 – also lange vor der Abgas-Hatz – veröffentlichte der Mineral- und Erdgas Multi Royal Dutch Shell eine Studie, welche davon ausging, dass die Nachfrage in 20 – 30 Jahren nach fossilen Brennstoffen erheblich zurück gehen werde. Die Studie begründete die Behauptung mit der technischen Entwicklung und Benutzung neuer Energieträger.

Text: Radovan Milanovic

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