Air Berlin – Politik, Wirtschaft und ihre Interessen

Air Berlin, die Politik und ihre Interessen

Die “Air Berlin”ist für Berlin offensichtlich “too big to fail”. Deshalb auch das Versprechen, eine Bundesbürgschaft von EUR 150 Mio. zur Aufrechterhaltung des Flugbetriebes bereit zu stellen. Bundesverkehrsminister Dobrindt spricht von der Wichtigkeit, dass  der Luftverkehrsstandort Deutschland gewährleistet sein muss und von der Chance zur Übernahme des Flugbetriebs mit 140 Maschinen. Doch welche Fluggesellschaft kann sich im ruinösen Margengeschäft die Finanzierung teurer Fluggeräte leisten?  Sämtliche Maschinen sind geleased. Die Bilanz von Air Berlin bestätigt diese Tatsache.

Air Berlin, die Wirtschaft und ihre Interessen

Als ob nichts wäre nimmt die Airline Buchungen entgegen, fliegt weiter… Obwohl der Flugbetrieb “gesichert sei”, mag sich der Kunde fragen ob der Flug zur gewünschten Destination abgewickelt und sein Rückflug stattfinden wird. Die Risikoabwägung der Reisenden dürften viele Passagiere zu anderen Airlines treiben und das finanzielle Ergebnis des Flugbetriebs der Air Berlin weiter verschlechtern. Denn seit 2008 fährt die Gesellschaft Verluste ein. Die negative Serie setzte sich auch im ersten Quartal 2017 mit einem Quartalsverlust von EUR 293,3 Mio. fort.

Air Berlin – Asset Stripping liegt in der Luft

Aktiven
Die Konzernbilanz per 31.12.2016 wies unter den Aktiven unter anderem die Position “immaterielle Vermögenswerte” im Betrag von EUR 209,0 Mio. auf. Hinter diesem Posten oder zumindest der grösste Teil davon betrifft den Wert der 147 Landerechte. Die Lufthansa verspricht sich mit ihrem Interesse an Air Berlin einen grösseren Marktanteil vor allem bei Innerdeutschen-, Europa- und einzelnen Langstrecken-Destinationen vor allem in die USA. Die beiden Airlines besitzen jedoch teilweise identische Destinationen.

Passiven
Für den Investor ist die Analysierung der Passiven von grossem Interesse. Diese zeigen eindeutig, dass das Aktienkapital durch die Verluste längst aufgebraucht ist. Dem gezeichneten Kapital von EUR 29,3 Mio., Kapitalrücklagen von 435,1 Mio., Eigenkapitalkomponenten der Wandelanleihe von EUR 597 Mio. und sonstigen Rücklagen von EUR 217,0 Mio. (total EUR 1.278,4 Mio.) sowie diverser Wertberichtigungen steht ein aufgelaufener (akkumulierter) Verlust von EUR 1.470,0 Mio gegenüber.

Ausstehenden Anleihen (Straight Bonds):

  • 8,25% Anleihe EUR 150 Mio + EUR 75 Mio. 2011/2018 (aktueller Kurs 9,8%)
  • Doppelwährungs-Anleihe EUR 6,75% / CHF 5,625% EUR 252 Mio. 2014/2019 (Kurs 10,14%)
  • 6,875 USD 131,9 Mio. 2020
  • 6,75 USD 99,5 Mio. 2021

Ausstehende Wandelanleihen

  • 6,0% EUR 5,5 Mio.,2013/2019 (Kurs 15,01%)
  • 1,5% EUR 0,2 Mio., 2007/2027 (—)
  • 8,0% EUR 300,0 Mio. 2014/ewige Laufzeit (—)
  • 8,5% EUR 125,0 Mio. 2017/2019 (Kurs 15,0%)

Air Berlin – schlechte Nachricht für Aktionäre und Anleihenseigner

Rein rechnerisch gehen die Aktionäre bei einem Verkauf oder bei einer Zerschlagung von Air Berlin leer aus. Obwohl 2018 und 2019 Anleihen zur Rückzahlung anstehen, stehen diese  als “langfristige Verpflichtungen” in der Bilanz. Im Vergleich: Die Höhe des negativen Eigenkapitals alleine übersteigt schon die Höhe der Nominalwerte der emittierten Anleihen. Kurse über 10 Prozent für reine Anleihen sind eher Hoffnungs- und Spekulationswerte, denn reale Marktpreise. Nicht ausgeschlossen ist jedoch eine Insolvenzdividende, im Rahmen von 5 bis 10 Prozent. Dasselbe gilt für Wandelanleihen, dem Hybrid von Anleihe und Aktie. Der Preis der Wandelanleihe (Convertible) entält noch die Kompente des Aktienanteils. Diese verkörpert jedoch keinen echten inneren Wert.

Text: Radovan Milanovic
Quelle: Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG

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