ABB – ein Weltkonzern im Umbruch zum Technologieführer

Das schweizerische Elektrotechnik Unternehmen bezeichnet sich auf seiner Homepage als „global führendes Technologieunternehmen in den Bereichen Stromnetze, Elektrifizierungsprodukte, Industrieautomation und Robotik und Antriebe mit Kunden in der Energieversorgung, der Industrie und im Transport- und Infrastruktursektor“ und verspricht als Leistungsumfang „Strom von jedem Kraftwerk zu jeder Steckdose zu bringen…“ Doch seit kurzem richtet sich ABB’s Augenmerk auf Megatrends wie erneuerbarer Energie, Elektromobilität sowie Robotertechnologie. Das Ziel des Unternehmens ist die Neuausrichtung zum Technologieführer für digitale Energien.

Der Weltkonzern ABB auf dem Weg zum Technologieführer
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ABB plant die Veräusserung seines Kerngeschäftes an Hitachi

Mit der Veräusserung von 80,1 Prozent der Stromnetzsparte, bei welcher ca. 37.000 Mitarbeiter einen Umsatz von USD 160,0 Mrd. und einen Bruttoertrag von USD 13 Mrd. erwirtschaftet haben, trennt sich der Konzern von seiner ursprünglichen Kernkompetenz (39 Prozent des Gesamtumsatzes). Denn ABB kann das jährliche Umsatz-Wachstum dieser Sparte von 3 Prozent – verglichen mit 5 Prozent des Konzerns – offensichtlich nicht mehr steigern. Das Unternehmen geht davon aus, dass der Abschluss des Verkaufs an die japanische Hitachi im ersten Semester 2020 unter Dach und Fach sein wird. Mit dem Erlös von 7,6 bis 7,8 Milliarden USD wird ABB die Aktionäre mittels Aktienrückkäufe oder andere Ausschüttungen an der Transaktion teilnehmen lassen.

Der Markt zweifelt an der Hitachi’s Möglichkeit zur Finanzierung des Deals

Finanzanalysten stehen dem Deal kritisch gegenüber: Der Cash-Bestand von Hitachi Ltd. (6501) betrug am 30. Sept. 2018 USD 11,3 Mrd. Im mittelfristigen Quartalsbergleich verändert sich dieser Betrag nur unwesentlich. Es ist kaum zu erwarten, dass die Japaner der Betrag über erwirtschaftetes Cash Flow finanzieren können. Mit einem aktuellen Debt / Equity Ratio von 0,35 dürfte zudem eine weitere Kapitalaufnahmen nicht nur (risikobeding) teuer werden, sondern auch die Bilanz negativ beeinflussen. Im Effizienz-Vergleiche (Umsatz/Mitarbeiter, Nettoeinkommen/Mitarbeiter) mit der Konkurrenz liegt bei Hitachi erheblich tiefer, als ihre Konkurrenten. Eine Renditesteigerung kann somit kaum erreicht werden. Fragen hinsichtlich Liquiditätsverbesserung dürften deshalb den Grund für den Kursrückgang der Hitachi-Papiere seit deren Ankündigung am vergangenen Montag um 5,2 Prozent auf JPY 3122 sein.

Text: Radovan Milanovic

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