Ab 2018 ist Schluss mit den Privilegien chinesischer Online-Händler

Der Umsatz chinesischer Händler, welche ihre Produkte den globalen Kunden durch eBay oder direkt über die chinesischen Online-Plattformen Alibaba oder Aliexpress (gehört Alibaba) anbieten wird auch dieses Jahr durch die Decke gehen. So stieg der Umsatz von Alibaba in 2016 um 27,8 Prozent, in 2017 gar um weitere 46,6 Prozent. Doch der Absatz von Kleinartikeln dürfte 2018 zurückgehen. Dies dürfte die grossen im Markt nicht allzu sehr beunruhigen. Zu tiefpreisige Artikel verursachen hohen Verwaltungsaufwand.

Kopfhörer in China EUR 1,00 und in Deutschland EUR 29,99, wie lässt sich das erklären?

Neueste kabelfreie Kopfhörer für Laptop oder Mobile, direkt und portofrei aus China für EUR 1,00 franko Haus gesandt. Wie kann dies funktionieren? Die Universal Postal Union (UPU) eine Unterorganisation der UNO, stufte China als Entwicklungsland ein. Das Reich der Mitte profitiert von stark subventionierten Tarifen im Verkehr mit dem Ausland. Der Weltpostverein vertritt den sozialen Gedanken. Entwickelte Volkswirtschaften fördern durch höhere Postgebühren finanzierte Abgaben die Tarife ärmerer Länder. In 2004 begann der Weltpostverein die Versandtarife kostenbezogener zu gestalten. Als Teil dieser Reform wurde China in 2016 als höher entwickelte Volkswirtschaft eingestuft, was höhere Postgebühren zur Folge hat. Logischerweise sträubt sich China gegen höhere Posttarife.

Ablauf der Schonfrist für chinesische Händler

Seit Jahren beklagt die Online-Industrie ausserhalb Chinas die unfaire Praktik der versandkostenfreien Exporte durch chinesische Direktvertreiber. Diese versenden ihre konkurrenzlos günstigen Klein- und Kleinstprodukte als Briefe, für diese sie keine Portokosten bezahlen müssen.

Der weltweite Druck zeigte Erfolg: Ab 2018 werden Chinas Händler durch hohe Versandkosten konfrontiert werden. Denn ab nächstem Jahr ist nur noch der Versand mittels –  ebenfalls subventionierter – teurer Pakete möglich. Denn gleichzeitig werden auch die Tarife für Pakete erhöht. Wie werden die Konsumenten auf den Preisschock (hohe Versandkosten) reagieren? Bis anhin haben die günstigen Produktkosten den Direktkunden chinesischer Anbieter die langen Lieferzeiten versüsst.

Droht den Postämtern ein Chaos?

Die Postorganisationen sind weltweit verpflichtet, den Empfängern die Sendungen auszuliefern. Falls jedoch “clevere” Händler ihre Produkte weiterhin in Briefform versenden, liegt eine Unterfrankierung vor. In einem solchen Fall versteht der Postzusteller keinen Spass. Der Empfänger muss den fehlenden Betrag nachzahlen und riskiert gar eine Strafzahlung. Obwohl die UPU vorgibt, dass der chinesische Händler die fehlende Gebühren für die falsche Frankatur übernehmen muss, bevor die Sendung an den Empfänger weitergeleitet wird. Wird diese nicht innerhalb von sechs Wochen bezahlt, kann die Sendung durch die Post vernichtet werden.

Den Poststellen droht eine logistische Herausforderung: es müssen “Zwischenlager” erstellt werden, es entstehen zusätzliche Kosten für die Verwaltung und allfälliger Zerstörung von Sendungen usw. Denn die Exporteure werden kaum auf eigene Kosten Fehlbeträge zahlen, welche den Warenwert um das Mehrfache übersteigen.

Text: Radovan Milanovic

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