USA mit unverändert hohen Handelsbilanzdefiziten

Handelsbilanzüberschüsse der wichtigsten Handelspartner der USA

Seit dem Amtsantritt am 20. Januar 2017 bekräftigte der US-Präsident, dass er für einen „fairen“ Handel eintrete. Sein Ziel wollte er mit zwei Mitteln erreichen. Zum einen mit der Wiederansiedelung von „abtrünnigen“ amerikanischen Gesellschaften mittels Steuervorteilen und Importzöllen ausländischer Güter. Insbesondere China und Deutschland wollte er in die Pflicht nehmen. Doch in den vergangenen 9 Monaten mussten die grössten Handelspartner der USA – entgegen den pessimistischen Erwartungen – keinen Rückgang im Handelsverkehr hinnehmen. Im Gegenteil, China weist seit Jahresbeginn im Handel mit den USA stark steigende Überschüsse aus. Vergleicht man die Handelsbilanzüberschüsse des Zeitraums Januar bis August ist dieses von USD 229,2 Mrd. (2016) auf  USD 239,1 Mrd. (2017) gar um 4,2 Prozent gewachsen.

Deutschland – Exportlokomotive der EU

Der Handelsbilanzüberschuss von Deutschland ist hingegen um 5,1 Prozent gefallen, beträgt jedoch immer noch USD 41,6 Mrd. (Januar bis August 2017). Im Vergleich zur EU insgesamt, also sämtlicher Mitgliedsländer, betrugen diese im gleichen Zeitraum USD 66,5 (2016), verglichen mit USD 95,7 (2017). Somit ergab sich nur ein Rückgang von 0,8 Prozent. Die Zahlen beweisen auch die Wirtschaftskraft der deutschen Exportindustrie welche für rund 28 Prozent aller EU Exporte in die USA verantwortlich ist. Zu den wichtigsten Exportgütern gehören Fahrzeuge, deren Ausfuhen im Zusammenhang mit den Dieselgeschichten – zumindest kurzfristig – zurückgehen.

Der Chart zeigt die Handelsbilanzüberschüsse von Deutschland, der EU insgesamt, Japan und China im Verkehr mit den USA in Mrd. USD pro Monat (Januar 2015 bis August 2017).

China Exporte in die USA ziehen ab Februar 2017 stark an

Gerade China, dem am meisten gedroht worden ist den Handelsbilanzüberschuss abzubauen, weist stark steigende Exporte (bei gleichbleibenden Importen) im Handel mit den USA auf. Sein Handelsvolumen mit den USA steht mit 15,7 Prozent des gesamten Aussenhandels an erster Stelle (Deutschland 4,4 Prozent, fünfte Stelle, Schweiz 1,5 Prozent, 15. Stelle). Aus China werden hauptsächlich elektrische Geräte (2016 für USD 129 Mrd.), Maschinen (USD 97 Mrd.), Möbel und Bettwaren (USD 29 Mrd.), Spielzeug und Sportgeräte (USD 24 Mrd.) sowie Schuhwaren (USD 15 Mrd.) importiert.

Chinas Regierung fast unantastbar

Der hohe USD-Segen ihrer Exporte werden zum grossen Teil in amerikanische Staatsanleihen angelegt. Denn ein Umtausch des USD in andere Währungen würde eine Dollarflut ungeahnten Ausmasses und einen Dollarzerfall ergeben, was die Konkurrenzfähigkeit der chinesischen Exportwirtschaft schwächen würde. Mit dem Aufkauf von Staatsanleihen ist China zum grössten US-Gläubiger geworden. Mitte August 2017 hält China amerikanische Staatspapiere von USD 1,14 Bio. Oder insgesamt 29 Prozent der US-Verpflichtungen der öffentlichen Hand.

China hat mit der Absorbierung von staatlichen Anleihen und Schuldverschreibungen dafür gesorgt, dass die Zinsen in den USA tief bleiben. Tiefe Zinsen bei Wirtschaftswachstum bedeutet hohen Konsum. Für den grössten US-Importeur wird auf diese Weise die Exportindustrie gefördert. Ein Verärgern der Chinesen könnte fatale Folgen haben: Das auf-den-Markt-Werfen amerikanischer Staatsanleihen könnte zum Kollaps des Marktes mit US-Verpflichtungen, aber vor allem zu einem gefährlichen Zinsanstieg, vorerst in den USA, dann in anderen Industrieländern führen

Text, Bild und Chart: Radovan Milanovic
Daten: census.gov (US Department of Commerce)

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