Japanische Börsen – hinter den Kulissen

Open-Markt Transaktionen der Notenbanken an der Tagesordnung

Mittels Open-Markt Transaktionen an den Geld- und Kapitalmärkten können gewünschte Zins- und Börsenentwicklungen durch die Notenbanken gesteuert werden.

So verlängerte die EZB das Anleihen-Rückkaufprogramm von aktuelle EUR 60 Mrd. monatlich bis Ende Dezember 2017 um den Banken Liquidität zuzuführen. Mittels  „Geldschwemme“ soll der Wirtschaft über die Banken billiges Geld zur Verfügung gestellt werden. In Japan ist die Bank of Japan (BoJ) für ihre aktive Offen-Markt Politik im Sinne eines „Liquidity Easings“ verantwortlich.

Bei unvorhergesehenen Ereignissen, welche zu Fluktuationen an den Börsen führen können, erwerben Nationalbanken auch Papiere (Aktien, Anleihen…) von strategisch wichtigen Gesellschaften wie Banken oder Versicherungen um den Markt zu stabilisieren. In den Jahresberichten der Nationalbanken werden solche Transaktionen aufgelistet. So auch bei der BoJ.

Abnomics: Kampf der Wirtschaftskrise in Japan mit „gebündelter Macht“ durch die BoJ

Seit 2013 versucht die Regierung Abe mit einer Power-Kombination aus Konjunkturprogrammen, Deregulierungen der Wirtschaft und dem „Quantitativen Easings“ die Wirtschaft auf Wachstum zu trimmen.

BoJ stützt den japanischen Aktienmarkt flächendeckend

Die Transaktionen der BoJ sind bis anhin von Analysten wohlwollend goutiert worden. Doch diese Woche änderte sich die Stimmung schlagartig. Denn die BoJ erwarb an der TSE (Tokyo Stock Exchange Inc.) zur Stützung des Aktienmarktes auch ETFs (Exchange Trades Funds), also Investmentfonds, meist Indexfonds (mit Hebelwirkung). Doch Art und Volumen des Investments erstaunen. Bis vergangenen Donnerstag erwarb die BoJ dieses Jahr ETFs im Betrage von JPY 6 Bio. (EUR 45,3 Mrd.), ihrem Jahres-Ziel Investitionsvolumen. Die Zentralbank besitzt fortan ETFs im Betrage von JPY 90,0 Bio. (EUR 680 Mrd.) in ihrem Büchern.

Als Folge grösserer Verkäufe japanischer Aktien trat seit Anfang September die BoJ als Retter des Marktes ein. Die Umsatzzahlen japanischer Börsen belegen, dass die BoJ in den vergangenen Wochen umsatzmässig mehr Käufe als ausländischen Investoren getätigt hat.

Japanische Börsenindices weisen geringere Performances als Indices anderer Börsen auf


Japan: Abbau der Überbewertungen

Kotierte Aktien japanische Gesellschaften wiesen traditionell eine wesentlich höhere Bewertung auf der Basis erwarteter, künftiger KGVs als europäische oder amerikanische Firmen auf. So lag der durchschnittliche Japan-„Bonus“ im Jahr 2000 zwischen 30 und 40 Prozent vergleichbarer internationaler Werte. Neben den hohen Bewertungen wiesen japanische Gesellschaften kaum ein Gewinnwachstum im Rahmen westlicher Erwartungen auf. Alles Gründe, wieso kaum ausländische Investoren japanische Beteiligungspapiere erwerben. Japanische Anleger blieben und bleiben fast unter sich. Grosse, internationale Gesellschaften sowie Autoproduzenten ausgenommen.

Die Performance der Hauptindices von Japan, Deutschland und den USA haben sich in den vergangenen zehn Jahren wie folgt entwickelt: Nikkei 225 nur +16 Prozent, DAX 30 + 60 Prozent und der DJI +79 Prozent. Aufgrund des Abbaus der Überbewertungen wiesen japanische Aktien im Beobachtungszeitraum eine tiefere Performance auf.

Gründe geringer Volatilitäten japanischer Aktien-Indices

  • Offenmarkt-Transaktionen durch die BoJ zur Abschöpfung von Wertpapier-Überangeboten am Markt
  • Mittelfristiger bis langer Anlagehorizont der Japaner: Viele japanische Investoren verbinden ein Aktienengagement mit persönlichen Beziehungen oder Loyalität mit dem Unternehmen. Sei es als Mitarbeiter, Kunde, Käufer…
  • Geringes Wachstum vieler japanischer Unternehmen: Ausländischer Anleger investieren deshalb meist nur (kurzfristige) Spezialsituationen

Text und Chart: Radovan Milanovic
Bild: pixabay

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