Bitcoin fest in der Hand der Trader

Bitcoin: Aus Optimisten werden Pessimisten

Über Nacht haben sich die Finanz- und Börsenportale von Optimisten zu „Bitcoin“-Pessimisten gewandelt. Am konkreten Beispiel verfolgen wir die Entwicklung der Blase: Überschwänglicher Optimismus, verbreitet durch die Macht der Streuung mittels sozialer Medien wird auch der Kleinsparer zur Investition angelockt. Der „Milchmädchenmarkt“ beginnt dann, wenn die Boulevardzeitungen auf der Frontseite Appetit zum Investieren machen. Dann wittern Kleinanleger die Chance ihres Lebens. Höchste Zeit für die Profis, „ihre Ware“ abzuladen und à la Baisse, also auf fallende Kurse zu setzen. Jetzt wird das Handelsgut in Frage gestellt und herunter geredet. Es kommt zur „self fulfilling prophecy“. Von der Goldgräberstimmung kann es zum Tal der Tränen kommen.

In der Tat werden auch Terminkontrakte und Optionen auf Bitcoin gehandelt: Das Casino ist geöffnet. Da diese nur wenige Börsen solche Instrumente anbieten, ist das Handelsvolumen relativ bescheiden. Somit findet der Grossteil der Spekulation während des täglichen Handels statt. Grosse Umsätze sind der Beweis. In der Praxis werden die gleichen Einheiten zumeist in unterschiedlichen Mengen und deshalb zu unterschiedlichen Preisen hin und her geschoben. So entstehen Kursveränderungen. Hohe Tagesfluktuationen sind die Folgen.

„Never fight the Bank“

Die Kreierung und teilweise Etablierung, Verbreitung und gar der Handel einer (künstlichen) weltweiten Schattenwährung hat einige Leute reich gemacht. Doch ein geregelter Handel und eine Art Geldschöpfung, dem Privileg der Notenbanken dürfte eine Nummer zu gross gewesen zu sein. Deshalb auch die Interventionen vorerst durch das US-Fed (Federal Reserve) gefolgt von der People’s Bank of China (PBoC). Nicht umsonst gilt das ungeschriebene Gesetz „Never fight the Bank“ (gemeint ist das Fed, bzw die Notenbank). Mit dem Bitcoin legt man sich jedoch gegen alle Notenbanken dieses Planeten an. Am 09. September 2017 lag der Wert des Bitcoin Bestandes bereits bei knapp USD 69,0 Mrd. Wie lässt sich ein solcher „Wert“ rechtfertigen?

Technische Indikatoren warnten vergebens

Buchstäblich sämtliche technischen Indikatoren zeigten Anfang September „rot“, ja glühendes Rot und deuteten auf eine Korrektur hin. Der augenscheinlich sichtbare Milchmädchenmarkt stieg weiter bei grossen Umsätzen an.

Wie sehen die Marktteilnehmer die Zukunft?

Anhand von Options- und Futures-Kontrakten lassen sich die Kurserwartungen der Investoren definieren. Beide Kontraktarten basieren auf dem aktuellen Bitcoin (Kauf-)Preis von USD 4.110,41.

Optionen
Um die Kurserwartungen der Investoren besser interpretieren zu können, ist der Strike der Optionen nah am Spotpreis des Basiswertes gewählt worden (Minimierung der Spekulationskomponente im Optionspreis).

  • Calls:
    Strike USD 4.000, Fälligkeit 22. September 2017 (Restlaufzeit 3 Tage): USD 161,02 Kaufkurs / USD 491,74 Verkaufskurs
    Strike USD 4.000, Fälligkeit 29. Dezember 2017 (Restlaufzeit 101 Tage): USD 812,57 / USD 1.230,81
  • Puts:
    Strike USD 4.000, Fälligkeit 22. September 2017: USD 82,05 / USD 202,65
    Strike USD 4.000, Fälligkeit 29. Dezember 2017: USD 788,33 / USD 869.32

Futures

  • Fälligkeit 29. September 2017 (Restlaufzeit 10 Tage) werden mit USD 4.134,19 Verkaufskurs / USD 4.122.09 Kaufkurs gehandelt
  • Fälligkeit 29. Dezember 2017 (Restlaufzeit 101 Tage): USD 4.229.87 / USD 4.199.29

Fazit der Erwartungen

Futures: Der Future Markt zeigt neutral Kurserwartungen für September- und Dezember-Kontrakte. Ein Comptant-Kauf kann somit sogleich auf Termin Dezember mit leichtem Gewinn (USD 88.88) wieder veräussert werden. Bei anfallenden Transaktionskosten ergäbe dies allenfalls nur ein Nullsummenspiel. Bei höherer Menge an Bitcoin sieht die Sache natürlich anders aus.

Optionen: Der Handel von Optionskontrakten ist aktiv und nahe Fälligkeiten weisen enge Spreads zwischen Geld- und Briefkursen auf. Somit kann von einer fairen Preisbildung der Optionen ausgegangen werden.

Aufgrund der Kursbildung gehen die Marktteilnehmer von Calls davon aus, dass Bitcoin Ende Woche bei rund USD 4.100, also zum aktuellen Tageskurs gehandelt werden dürfte. Der grosse Spread zwischen Geld- und Briefkursen der Jahresendkontrakte weisen auf eine erhebliche Divergenz der Erwartungshaltung hin. Die Optimisten erwarten Spotpreise im zwischen USD 4.600 und USD 5.100.

Käufer von Puts erwarten Ende Woche Spotpreise um USD 3.900. Bei den Dezember-Kontrakten fällt der enge Spread auf. Sowohl Käufer als auch Verkäufer, also die Pessimisten, gehen von ähnlichen Preisvorstellungen aus und erwarten per Ende Jahr einen Bitcoin Kassakurs um USD 3.200.

Wie hochspekulativ die virtuelle Währung ist zeigt der riesige Unterschied der Preisvorstellung der virtuellen Währung zwischen Käufern von Calls und Puts mit Ziel Dezember. Bezogen auf den heutigen Kursen netto ca. USD 1.600 oder 39 %.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay

PS Alle Kursangaben sind zeitgleiche Momentkurse (19. September 2017, MESZ, 1:30 am)

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